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Mittwoch, 6. Juni 2007
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Montag, 20. Mai 2013

Userbeiträge / Liebe
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Fernbeziehung

Manchmal fragt man sich schon, ob es sich überhaupt lohnt, eine Fernbeziehung zu führen. Da sitzt man unter der Woche rum, freut sich auf jedes Telefonat, um dann zu erfahren, daß man eigentlich zu müde ist, um zu telefonieren. Rein logisch ist es ja, wenn man um 5 Uhr früh aufstehen muß. Nur der andere - also ich - will das überhaupt nicht begreifen. Ja, auch solche Gedanken schwirren in meinem Kopf herum.

Besucher   |07.06.2007; 10:52:27
Hallo Bi_er, hallo LLL,

ich kenne das auch von der anderen Seite her, nämlich dass ich derjenige bin, der das Telefonat abbrechen möchte.
Ich habe da auch den Eindruck, dass ich nur einer von sehr wenigen Menschen bin, die Telefonate (insbesondere in einer Beziehung) letztlich als sehr unbefriedigend empfinden.

Gelegentliches Telefonieren finde ich schon auch wichtig, aber trotz der so direkten Kommunikationsform fehlt mir da einfach zu viel. Vielleicht ist sogar das Gefühl der Einsamkeit nach einem Telefonat größer.
Ich möchte viel lieber alle Sinne mitspielen lassen und wenn das nicht geht, dann verzichte ich gern auch auf die 'einsinnige' Kommunikationsform.

Anders z.B. bei Briefen. Die heben mein Herz, weil in ihnen so viel mehr stecken kann, als die einzelnen Worte erahnen lassen.

Beim häufigen Telefonieren passiert dagegen meiner Erfahrung nach genau das Gegenteil: Die direkte Kommunikation suggeriert, dass es ein 'normales' Gespräch ist. Tatsächlich aber fehlen mir in diesem Gespräch wichtige Kommunikationselemente.

Drei Viertel des anderen Menschen fehlen mir da, und das macht mich nicht wirklich glücklich.

W/Q
Besucher   |07.06.2007; 19:20:19
Na ja, wenn man eine Fernbeziehung führt, bzw. sich halt nur an den Wochenenden sehen kann, ist das Telefon schon wichtig. Also, ich würde verrückt werden, wenn ich mit ihr nicht mind. einmal am Tag telefonieren kann.
Myri   |08.06.2007; 12:44:45
Myri überprüft die User auf Fakes.
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Da auch ich seit geraumer Zeit eine Fernbeziehung führe, kann ich zum Thema Telefonieren berichten, dass es bei uns einen relativ großen Umfang (rd.2-6h nahezu täglich)einnimmt, zumal wir uns nicht regelmässig jedes Wochenende sehen.
Das Telefon ist somit eine Art Nabelschnur mit der man versucht, dem Anderen nahe zu sein, indirekt auch eine Art "Alltag" zu leben, indem man z.B. "gemeinsam" frühstückt, alltägliche Aufgaben, wie Kochen parallel laufen und zeitweise ergänzen wir hierbei das Telefonieren durch den Einsatz der Webcam (damit nicht nur der Hörsinn zu seinem Recht kommt).
Zur Anmerkung "einsinnige Kommunikationsform und fehlende Kommunikationselemente"
...natürlich ist es schöner, den Menschen, den man liebt, im Ganzen und mit allen Sinnen zu erleben. Da dies gegenwärtig nun mal nicht ständig möglich ist, kann man auch sehr wohl bei dieser Kommunikationsform die inneren Antennen für feine Nuancen und emotionale Zwischentöne schärfen.
Im Übrigen ist es mir persönlich schon sehr wichtig, die Stimme des Anderen zu hören...es bringt einfach ein Stück mehr Vertrautheit rüber.
Aber letztendlich schätze ich, jede(r) muss für sich selbst entscheiden, wie und ob er/sie mit einer solchen Situation am besten klar kommt und was wichtig für beide ist.
Besucher   |09.06.2007; 08:54:07
Ja, ich weiß wohl, dass ich da anders fühle als viele andere Menschen. Oder dass ich ein Telefonat anders fühle.

Ich finde es gut, hier einmal von Euch dieses Telefonierbedürfnis erklärt zu bekommen, weil ich selbst dem so fern bin.

Täglich 2-6 Stunden... Für mich gänzlich unvorstellbar. Die bisher größte Liebe meines Lebens lebte auch ich in einer Fernbeziehung, was ich auf Dauer nicht deshalb als grauenhaft empfand, weil wir uns nicht täglich sahen, sondern weil uns die Möglichkeit fehlte, dass wir uns jederzeit mal eben hätten sehen können.

Was mir da immer wichtiger wurde, war der Blick in das eigene Innere, das wärmende Gefühl dort und das Herstellen einer Verbindung ohne technische Hilfsmittel. Das Gefühl, dass man beieinander ist, ohne die Stimme des anderen zu hören.

Ich denke, ein täglicher Austausch wäre selbst dann nicht passiert, wenn wir in der selben Stadt gewohnt hätten. Das war ein Beziehungsstil, den wir beide gut so gebrauchen konnten. Ich denke, da war zu viel eigenes Leben und eigenständiges Erleben im Spiel. Da gibt es ein Achten auf sich selbst. Dann braucht auch die Arbeit ihren Raum (die Liebe zur Arbeit kann manchmal auch stark werden) und andere Freundschaften möchten auch erlebt werden - ebenfalls eine Form von Liebe.

Vielleicht ist es auch das... Auch wenn sie die größte Liebe war, gab es noch Liebe in andere Richtungen. Wenn man weiß, man kann sich aufeinander verlassen, ist es leicht, anderen Dingen mehr Raum zu geben.
Das soll bitte nicht als Behauptung verstanden werden, dass Ihr Euch nicht aufeinander verlassen könnt. Wie Myri schrieb, findet jede Beziehung ihre eigenen Wege.

Interessant für mich jedenfalls, dass ich die Liebe als viel intensiver empfand, obwohl wir nicht täglich kommuniziert haben (vielleicht auch gerade deshalb). Frühere Beziehungen waren da ganz anders. Schon auch tief und intensiv, aber mit viel mehr Zeit, in denen ich mein Ich allerdings oftmals verlor.
Myri   |21.10.2007; 13:51:06
Myri überprüft die User auf Fakes.
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Nur mal zum Geraderücken zum Punkt
Zitat:
eigenes Leben und eigenständiges Erleben
der in meinem Kommentar offenbar etwas fälschlich rüberkam:
ich habe in meinem Leben schon noch andere Dinge, um die ich mich kümmere und die ich pflege. Mein Freundeskreis, sowie Freizeitunternehmungen der verschiedensten Art sind mir schon wichtig und kommen sicherlich nicht zu kurz. Von daher ist der Punkt
Zitat:
Wenn man weiß, man kann sich aufeinander verlassen, ist es leicht, anderen Dingen mehr Raum zu geben.
kein Thema. Das Telefonieren ist in unserem Fall nicht, wie du es evtl. interpretierst, ein Kontrollvorgang. Uns ist beiden unser Freiraum wichtig, von daher denke ich, dass wir uns, wohnten wir in derselben Stadt, auch nicht unbedingt jeden Tag sehen würden.
Besucher   |21.10.2007; 13:51:58
Hallo Myri,

meine Beschreibungen waren gänzlich losgelöst von Deinen und waren keine Wertung oder Bewertung dessen, was Du geschrieben hattest, und keine Unterstellung, dass Ihr nicht respektvoll miteinander seid und achtsam mit Euch selbst.

Ich hatte nur das Bedürfnis, etwas aus meinem eigenen Leben mitzuteilen.

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