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Freitag, 22. September 2006
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Polyamorie - Mehr, als manch eine(r) verkraften kann.

Polyamorie ist ein Oberbegriff für die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner. Die angestrebten Beziehungen sind langfristig und vertrauensvoll angelegt und schließen normalerweise (aber nicht unbedingt) Verliebtheit und Teilen von Zärtlichkeit und Sexualität mit ein. Der Begriff der Liebe wird also weiter gefasst als bei der romantischen Zweierbeziehung. Menschen, die solche Beziehungen bevorzugen oder führen, werden als "polyamor" oder "polyamorös" bezeichnet.
Die seit den 1960er Jahren entstandene polyamore Subkultur bezeichnet weiterhin auch ein Erfahrungs- und Kommunikationsnetz von Menschen, die die Idee von nicht-ausschließlichen Beziehungen fördern wollen, bereit sind, in solchen Beziehungen zu leben, und sich hierin gegenseitig unterstützen.

Ein rotes Herz mit dem Unendlichkeitszeichen verflochten.

Menschen, die sich als polyamor oder polyamorös bezeichnen, haben die Bereitschaft, Liebesbeziehungen und enge Freundschaften mit mehreren Menschen zu führen, da für sie diese Beziehungsform ein Ideal darstellt. Sie stellen die Vorstellung in Frage, dass die Zweierbeziehung oder Ehe die einzige erstrebenswerte Form des Zusammenlebens sei. Die Liebe ist nach ihrer Auffassung kein endliches oder limitiertes Gut, das immer nur für die Liebe zu einer einzigen Person ausreicht, sondern gegenüber mehreren Menschen in einer ganz individuellen Ausprägung in Erscheinung treten kann.

Polyamorie definiert sich dabei über die emotionale Seite der Liebesbeziehungen. Es steht also nicht das Erleben von Sexualität im Mittelpunkt, das allerdings - wie in jeder Liebesbeziehung - durchaus eine wesentliche Rolle spielen kann und darf. Als Bedingungen für polyamouröse Beziehungen werden vielfach größtmögliche Ehrlichkeit zwischen den Beteiligten und gegenseitiges Einverständnis genannt. Deshalb gibt es im Konzept der Polyamorie keine zu verheimlichenden Liebhaberinnen und Liebhaber. Den Menschen, die man mag, solle mit dem sich aus dem individuellen Verhältnis erwachsenden Maß an Zuneigung und Intimität begegnet werden können. Es brauche nicht geleugnet zu werden, falls man für mehr als einen Menschen Gefühle empfindet. Eifersucht und Verlustängste treten auch bei Menschen, die diese Beziehungsform gewählt haben, oft auf und bräuchten ebenfalls nicht geleugnet zu werden. Eifersucht stellt in der Tat bei langfristig bestehenden Beziehungen oft die bedeutendste Hürde dar. Es solle jedoch vermieden werden, dass diese Gefühle das Handeln bestimmen, da sie sonst zerstörerisch auf Beziehungen wirken könnten.

Da Polyamory im Gegensatz zur Monogamie keinen Ausschließlichkeitsanspruch gegenüber dem Partner erhebe, bestünde keine Notwendigkeit Beziehungen zu beenden, wenn der Partner parallel weitere Beziehungen unterhält. Akute Verliebtheit, in englischsprachigen Foren auch "New Relationship Energy" (NRE) genannt, wird jedoch trotz der schönen Gefühle manchmal als mit Vorsicht zu genießender Zustand gesehen. Sie mache es schwerer, die Bedürfnisse aller Partner auszugleichen und berge die Gefahr von emotional geprägten Entscheidungen, deren Konsequenzen langfristig bedauert würden.

Polyamore oder polyamouröse Beziehungen können im ungünstigen Fall einen erheblichen emotionalen Stress bedeuten, falls es Konflikte zwischen den Partnern gibt oder Eifersuchtsgefühle aufkommen. Das nötige Abgrenzungsvermögen sowie die Aufrichtigkeit und Selbstkenntnis, die solche Situationen verlangen, bringen nicht alle Personen auf, die mit nichtmonogamen Beziehungen experimentieren. Ob polyamore Beziehungen zwischen Menschen, die mit dieser Lebensform keine Erfahrungen haben, Bestand haben, lässt sich kaum voraussagen. Deswegen wird großer Wert darauf gelegt, daß die Beteiligten an einer solchen Beziehung diese bewußt und freiwillig wählen. Zusätzliche Beziehungen haben zudem die Tendenz, Unsicherheiten und ungeklärte Konflikte in einer Partnerschaft ans Licht zu bringen, auch wenn diese schon lange besteht. Um sich z.B. vor einem Ausspannen von Partnern, oder Beziehungskonflikten in ungünstigen Lebensphasen wie der Stillzeit eines Kindes, zu schützen, handeln die Beteiligten in langfristigen Partnerschaften häufig vorher ein gegenseitiges, im Umfang begrenztes Vetorecht in Bezug auf neue Beziehungen aus.

Die Orientierung zu Mehrfachbeziehungen wird von manchen polyamorösen Menschen als bewußte Wahl betrachtet, die Mehrzahl betrachtet ihre Präferenz jedoch als Folge ihrer individuellen "Verdrahtung" (Easton und Liszt, 1997). Viele Menschen, die in Mehrfachbeziehungen leben, hätten immer wieder die Erfahrung gemacht, daß monogame Beziehungen für sie nicht funktionieren oder sie darin nicht glücklich werden. Dies werde aber nicht zum Anlass genommen, Monogamie als individuelle Wahl abzuwerten. Hinterfragt werde jedoch die Monogamie als gesellschaftliche Norm und die nach Überzeugung polyamor-denkender Menschen oft damit verbundene Doppelmoral.

Als Grund, der gegen ein Eingehen polyamorer Beziehungen sprechen kann, nennen viele polyamoröse Menschen, daß oftmals viel mehr "Beziehungsarbeit" geleistet werden müsse, was manchmal einen erheblichen Aufwand an Zeit und Energie erfordere. Außerdem müsse auf subjektive oder reale Sicherheiten verzichtet werden. Dies werde aber für Individuen, die diese Beziehungsform wollen, durch Authentizität, persönliches Wachstum sowie Selbstentfaltung weit mehr als ausgeglichen. Hinzu komme die Erfahrung von Vielfalt und Lebendigkeit, von Freude am Glück der Geliebten mit ihren anderen Partnern, die Solidarität und Unterstützung in einer erweiterten Lebensgemeinschaft, sowie ähnliche Aspekte. Manche begründen ihre Wahl auch mit ihrer Erfahrung, dass sie in solchen Beziehungen wesentlich glücklicher seien.

Auszug aus der freien Enzyklopädie Wikipedia

Ein lesenswertes Buch zur Polyamorie, ist das Buch "Ein Frühstück zu dritt - Leben und lieben in Mehrfachbeziehungen".
Es beinhaltet die ganz persönlichen Erfahrungen und Gedanken von 26 Partnern_innen aus 6 polyamoren Beziehungen.
Die Rezension und weitere Informationen zum Buch findest Du hier.

Besucher   |22.01.2014; 10:01:36
Ich bezeichne mich ja als polyamor. Diese Erläuterung, finde ich sehr gut.
Zudem finde ich, daß gerade für Menschen mit Bi- Neigung die Polyamorie eine sehr gute Beziehungsform ist.
Leider sind die Vorzüge für die Gesundheit der Betroffenen nicht erwähnt.
Ich finde daß aber in der geschlechtlichen Begegnung, mit mehreren - unterschiedlichen und gleichen Geschlechtern - sehr wichtig.

Da habe ich wohl so meine ganz eigene Vorstellung.

LG, erwin

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