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Geschrieben von Myri   
Samstag, 9. Dezember 2006
Letzte Aktualisierung
Samstag, 21. Februar 2015

Bonusmeilen / Frauen
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Start to female Wonderland

Ca. 40 Jahre lang lebte ich ein heterosexuelles Leben, in dem ich nicht das Gefühl hatte, etwas zu vermissen. Frauenfreundschaften pflegte ich eine ganze Reihe, ohne dass mir in den Sinn kam, mir diesbezüglich mehr zu wünschen, als "nur" eine mehr oder weniger vertrauensvolle Freundschaft. Dann, im "hohen Alter" von 41 Jahren, fiel mir irgendwann sporadisch auf, dass es mich an- und erregte und meine Phantasie beflügelte, wenn auf Fotos oder in Filmszenen Frauen miteinander Zärtlichkeiten austauschten. Je bewußter ich das wahrnahm, desto größer wurde auch meine Neugier und schließlich mein Wunsch, selbst Erfahrungen in dieser Richtung zu machen.

Damit wurde dann auch die Frage aufgeworfen, wie funktioniert sowas, wo findet man Kontakte? Ok, es gibt in der Stadt, in der ich lebe, eine Lesbenszene, aber das war nicht das, was ich suchte. Im alltäglichen Leben schien mir die Möglichkeit, Frauenkontakte zu finden auch recht gering - also begann die Suche via Internet.
Schließlich fand ich eine Art der Partnervermittlung, in der auch eine ganze Reihe Frauen Kontakte der unterschiedlichsten Art zu anderen Frauen suchten und ich erstellte dort für mich ein Profil. Ich erhielt auch einige Anfragen, tauschte mit Einzelnen eine Reihe Emails aus, die aber mit der Zeit im Sande verliefen (die meisten schienen an einem reellen Treffen letztendlich nicht besonders interessiert zu sein). Ich traf mich mit 2 der Frauen, allerdings war da von beiden Seiten aus recht rasch klar, dass da nicht ausreichend Sympathie für eine tiefergehende Beziehung vorhanden war.

Etliche Wochen später, als ich die Sache schon mehr oder weniger abgehakt hatte, erhielt ich eine kurze, aber ansprechende Mail ("ihre Sehnsucht danach, wieder einmal die Küsse einer Frau zu spüren") einer Frau, deren Profil mir auch sehr zusagte. Was mich allerdings verwunderte war, dass sie etliche Jahre jünger war, weshalb ich zunächst skeptisch reagierte. Trotzdem schrieb ich zurück und es begann ein reger Mailaustausch, in dem ich erfuhr, dass sie schon mehrere Erfahrungen auf dem Gebiet gemacht hatte, es sie aber nicht störte, dass ich da noch ein unbeschriebenes Blatt war.
Schließlich entschlossen wir uns, persönlichere Gespräche übers Telefon zu führen und es wurde ein angenehmer Abend, denn trotzdem wir uns nicht kannten, hatten wir sehr schnell eine gewisse Vertrauensbasis gefunden, uns über die unterschiedlichsten Themen auszutauschen. Auch Katjas Stimme empfand ich als sehr angenehm.
Es folgten weitere Telefonate, in denen die Gesprächsinhalte immer persönlicher wurden und eine gewisse Sehnsucht, sich näher zu kommen ebenfalls wuchs...geflüsterte Worte, Phantasien bauten Brücken auf.
Wir waren beide zu dem Zeitpunkt in Beziehungen mit einem Mann, in der beide Männer nichts von unseren Wünschen und Sehnsüchten wußten. Katja meinte, ihr Freund würde es wohl nicht nachvollziehen und akzeptieren können, daher hatte sie ihm auch nichts von ihren vergangenen Erfahrungen erzählt. Meine damalige Beziehung war eher eine, von meiner Seite aus, lockere Freundschaft und ich hatte für mich entschieden, dass dieser erste Schritt ins Neuland zunächst erstmal meine ureigene, persönliche Angelegenheit war, denn ich wußte nicht, wo ich mich dort wiederfinden würde.
Nach mehreren Telefonaten entschlossen wir uns, dass es an der Zeit für ein persönliches Treffen sei. Wir vereinbarten, ein gemütliches Abendessen in ihrer Wohnung zu gestalten, ohne das irgendwelche Zwänge bestanden. Das vielzitierte "alles kann, nix muss passieren". Auf der Fahrt zu ihr wuchs meine Nervosität, es war einfach zuviel Unwägbarkeit im Spiel...war es eigentlich wirklich das, was ich wollte? Welche Erwartungen hatte sie...wie anders geht man bei solch einem Date miteinander um, als es bei einem Treffen mit einem Mann der Fall ist? Andererseits machte es die Sache auch wiederum spannend, neue Wege zu gehen.

Als wir uns dann gegenüber standen war es glücklicherweise ein sehr herzlicher und zwangloser Empfang. Ebenso gestaltete sich der weitere Abend, wir hatten viel zu erzählen und konnten miteinander lachen, ohne das es krampfhaft wirkte. Wir sassen und erzählten bis spät in die Nacht bei Rotwein am Tisch. Ich war natürlich neugierig auf ihre bisherigen Erfahrungen und in welcher Form sie diese in ihr Leben eingebunden hatte. Sie hatte eine sehr natürliche Art, darüber zu reden und mir gefiel ihre lebendige Erscheinung. Sowohl ihr äußeres Erscheinungsbild (klein, dunkelhaarig, große, braune Augen, sportlich), als auch ihre Vielschichtigkeit fand ich sehr attraktiv und offensichtlich kam auch von ihrer Seite viel Sympathie rüber, was ich an Blicken und der Art der Vertrautheit, mit der wir miteinander umgingen, ausmachte. Das hatte meine anfängliche Befangenheit immer mehr schwinden lassen.
Wir hatten in einem unserer Telefonate über Tarotkarten gesprochen und sie hatte vorgeschlagen, die Karten einfach mal mitzubringen. Zu vorgerückter Stunde war sie dann neugierig auf die Kartenlegung. Bis dahin hatten wir uns noch am Tisch gegenüber gesessen, aber nun war es natürlich einfacher, nebeneinander auf die Karten zu schauen, weshalb sie sich neben mich setzte. Während meiner Erläuterungen rückten wir immer mehr zueinander und es entstand eine angenehme, kribbelnde Spannung, bei der es für uns beide ziemlich eindeutig war, was daraus erwachsen konnte. Für mich war da im ersten Moment noch die Unsicherheit, wie ich mit der Situation umgehen sollte/ konnte. Die wurde allerdings durch sanfte Finger, die über meine Wirbelsäule wanderten, rasch weggewischt. Und dann ergaben sich die gegenseitigen Streicheleinheiten und Küsse ganz von selbst, sodass ich mir gar keine Gedanken mehr machte und nur noch meiner Intuition folgte.
Ich fand es schon recht unterschiedlich, zu dem, was ich bisher beim Küssen mit einem Mann erlebt hatte...viel weicher und inniger und wir liessen uns sehr viel Zeit, den Moment auszukosten. Das Witzige war, dass Katja es mir nicht abkaufen wollte, dass ich noch nie eine Frau geküsst hätte, weil sie wohl stark von ihrem persönlichen ersten Erlebnis ausging, bei dem sie, wie sie sagte, viel angespannter war, als ich es in dem Moment mit ihr war. Das hat bei mir aber immer - unabhängig davon, ob das Gegenüber männlich oder weiblich ist - damit zu tun, wie ausgeprägt der "Wohlfühl-Faktor" mit dem Gegenüber bei mir ist. Ich glaube, dass ist ganz einfach auch eine Sache der Erfahrungen, die man im Laufe des Lebens gemacht hat, dass man darauf hört/ schaut, was einem gut tut und in wieweit man sich auf den/ die Andere(n) einlassen = Vertrauen zulassen kann.
Nach einer sehr ausgedehnten Kuss- und Streichelphase landeten wir schließlich in ihrem Schlafzimmer, wo der Rest der Nacht mit viel, viel Verwöhneinheiten verstrich. Im Grunde war es eine Melange aus Bekanntem (z.B. zarte Haut, liebevoller Umgang) und dem Erforschen von Neuland.

Leider haben wir uns seither nicht mehr gesehen. Es kamen einige private Komplikationen bei Katja zusammen, sodass Treffen, die wir geplant hatten, immer wieder gecancelt wurden. Schließlich zog sie mit ihren Freund zusammen und in eine andere Stadt und der Kontakt brach, abgesehen von vereinzelten SMS ihrerseits, in denen sie schrieb, dass sie mich nicht aus ihrem Kopf bekäme und sich nach mir sehne, ab.

Aber trotzdem es nur ein einmaliges Erlebnis war, hat es mir gezeigt, dass ich mich in meinen Empfindungen, Sehnsüchten und Wünschen nicht getäuscht habe. Ich habe aber auch feststellen müssen (letztendlich auch durch weitere Zusammentreffen mit anderen Frauen), dass es auch auf der Bi-Ebene nicht unbedingt einfach ist, die Person zu finden, die mich intellektuell und emotional anspricht.

Letzte Aktualisierung ( Samstag, 21. Februar 2015 )  
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