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Donnerstag, 26. September 2013
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Mittwoch, 24. Dezember 2014

Bonusmeilen / Frauen
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8: Verzweifelt

Das war ein schlimmer und gleichzeitig schöner Abend... und in meinem Kopf überschlägt sich alles noch mehr als zuvor...! Ich musste erst mal darüber schlafen, nachdenken um alles in die richtigen Worte zu fassen...

In der Arbeit hatte ich zum Glück viel zutun, weshalb ich nicht den ganzen Tag an das bevor stehende Treffen gedacht habe. Zum Ende hin, hab ich aber dann doch ständig auf die Uhr gesehen und nervös nach draußen geschaut. Ich war schrecklich aufgeregt und dann... stand er auf einmal draußen, schaute zu mir und lächelte mich an. Ich kann nicht erkären, was ich empfunden habe in diesem Moment, denn mir war vor lauter Aufregung so schlecht...! Wir verhielten uns ein bißchen wie schüchterne Teenager, alles war etwas steif; klar, denn keiner von uns wusste, wie er sich verhalten sollte in dieser Situation...

Ich schlug Sebastian vor spazieren zu gehen, da wir jetzt gerade eh nichts zu essen runter bekommen hätten. So liefen wir also Richtung Strandbad und schlenderten am Fluß entlang, eine gefühlte Ewigkeit. Irgendwann hielt ich das Schweigen nicht mehr aus, blieb stehen, schaute ihn direkt an und hoffte nichts falsches zu sagen.
"Was ist los mit uns?" "Ich weiß es nicht, Mel." "Warum kann es nicht so sein, wie früher?" "So schlimm?" "Für dich nicht? Ich weiß nicht, was ich denken oder fühlen soll. Ich bin total durcheinander. So kenn ich mich einfach nicht, Sebastian." "Mir geht es doch genauso..." "Du siehst aber nicht so aus. Warum bist du so ruhig?"
Dann hat er gelächelt und meinte, weil er inzwischen einen Schritt weiter sei als ich. Weil er es aufgegeben hatte, gegen seine Gefühle anzukämpfen. Er war es leid gewesen, immer nach dem Warum zu fragen: Warum kein Mann? Warum eine Frau? Warum seine beste Freundin? Warum jetzt, nach so langer Zeit? Warum er...?
"Ich hab mich in dich verliebt, Mel. Und du weißt, dass ich sowas nur sage, wenn ich mir ganz sicher bin. Ich weiß, nicht warum ich diese Gefühle für dich habe, aber ich bereu sie auch nicht, denn es ist nicht falsch zu lieben."
Und genau in dem Moment bin ich durchgedreht. Irgendwas in mir hat klick gemacht und ich wurde panisch.
"Das geht nicht! Du bist schwul, ich lesbisch, dass kann nicht sein...!" "Hör auf, uns in gesellschaftliche Schubladen zu stecken! Nur weil wir für uns entschieden haben, so zu leben, heißt das nicht, dass wir uns nicht weiter entwickeln dürfen! Gefühle ändern sich nun mal, daran kannst du nichts ändern... und ich auch nicht."
Mir entglitt alles, ich fühlte mich sowas von überfordert, setzte mich ins Gras und fing einfach an zu weinen. Diese ganze Situation lag so tonnenschwer auf meinen Schultern und ich fühlte mich so schrecklich schwach. Sebastian setzte sich zu mir, nahm mich nach kurzem Zögern in den Arm. Wir küssten uns und es war genauso wie damals vor 6 Monaten. Es war schön, ungewoht, fühlte sich aber nicht falsch an.
Sebastian entschuldigte sich, dass er mich so überforderte, wollte aber ehrlich zu mir sein, so wie sonst auch. Ich entschied mich auch für die Wahrheit, denn eine andere Möglichkeit hatte ich eh nicht mehr.
"Ich empfinde auch etwas für dich... Ich weiß nicht, was. Ich weiß nur, dass es anders ist, als vor dem Kuss..." "Weiß Sabine davon...?" Ich sagte nein. Der Gedanke an meine Frau tat mir unendlich weh. Ich konnte sie nicht so sehr verletzen, aber mich verstellen auch nicht. Ich musste mit ihr reden, aber wann und wie...?!

Sebastian und ich redeten noch ein bißchen über belangloses. Es tat gut, einfach so zu reden wie früher, beinander zu sein und nicht daran zu denken, was vor einem lag. Ich weiß ja nicht mal, was auf mich,... uns zukommt. Diese Ungewissheit macht mir irgendwie Angst...
Wir haben uns darauf geeinigt, Kontakt zu halten, aber dass ich zuerst mit Sabine reden muss...


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Eine Bonusmeile in 10 Teilen

EinzigEine  - Tatsächlich ...   |26.09.2013; 18:47:23
 
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scheint Sebastian schon einen Schritt weiter zu sein, wenn er seine Gefühle akzeptiert und nicht dagegen ankämpft. Gefühle sind ein Teil von uns und dagegen zu kämpfen bedeutet Kampf gegen uns selbst ... und an diesem Punkt denke ich immer, dass ein Sieg gleichzeitig eine Niederlage wäre ... oder so ...

Und nun machst du am besten weiterhin einen Schritt nach dem anderen. Nicht schon an den übernächsten Schritt denken, wenn du den nächsten noch nicht mal gemacht hast!
Nevermore   |26.09.2013; 21:56:30
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liebe mel,
versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte die schilderungen deines lebens oder ihren wahrheitsgehalt keineswegs infrage stellen. es scheint mir so zu sein, dass du in deinem jungen leben schon verdammt viel erlebt hast, viel dramatisches, auch viel schlimmes. aber mir fällt immer mehr auf, dass du einen besonderen schreibstil an den tag legst, wie in romanen, als würdest du nicht dein eigenes leben beschreiben, sondern ein buch daraus machen. stark szenisches, deskriptives schreiben, dialoge und lebenswendungen notieren, die es eigtl nur in büchern gibt. weil im wahren leben alles irgendwie anders abläuft, nicht in dieser zusammengepressten, dichten, folgerichtigen form. als würdest du dir ein bisschen von außen zugucken und durch die linse des erzählers ein stück distanz zwischen deiner person und deine erlebnisse legen. verstehst du, was ich meine? das ist jetzt ganz wertfrei gesagt. vielleicht ist das gar keine schlechte strategie. vielleicht hast du auch einfach die seltene gabe, abläufe stringent schriftstellerisch zu schildern. vielleicht solltest du wirklich ein buch draus machen (oder aus teilen davon, damit es nicht too much wird) :-)
und ansonsten: nimm die liebe an, wenn sie dir begegnet, sie kann so viele gestalten annehmen ... alles gute!
Besucher   |27.09.2013; 06:32:10
Hallo Nevermore...
Ich mache zur Zeit ein Studium zur Autorin. Ich schreibe schon seit ich denken kann so. Außerdem habe ich ein gutes Gedächtnis für Gespräche und konnte sie schon immer haarklein wieder geben. Was mir in vielen Situationen (Geschäftsalltag) geholfen hat. Aber Du bist nicht die Erste/ der Erste, der mich auf so was hingewiesen hat...
Nevermore   |28.09.2013; 00:24:58
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
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hallo mel,
das mit deinem studium erklärt natürlich vieles ;-) wo und was genau studierst du denn?
vielleicht ist es mir auch nur so stark aufgefallen, weil ich selber aus der branche bin.
aber irgendwie würde es mir persönlich etwas sorge machen, wenn meine lebensgeschichte wie ein konstruierter roman klänge. dann geht mit pech etwas verloren, dieses gewisse, unbeschreibliche extra, das die eigene biografie das sein lässt, was sie ist, nämlich echt, wodurch sie sich von allen erfundenen geschichten abhebt. wäre einfach schade, wenn deiner lebensgeschichte zu unrecht ein stück glaubwürdigkeit verloren ginge, "nur" weil du sie genauso aufschreibst, wie du auch einen fiktiven text aufschreiben würdest. wirkt einfach irgendwie ... weiter weg. als hättest du zu viel distanz zu deinem leben. mir wird ab und zu genau das gegenteil vorgeworfen, dass meine biografisch geprägten texte zu nah dran sind, das eignet sich dann auch wieder nicht zum veröffentlichen. der grat ist immer schmal, auf dem man beim schreiben wandert. und beim leben sowieso ;-) drück ich mich zu verklausuliert aus? vielleicht seh ich aber auch nur weiße mäuse ;-)
war jetzt keine kritik oder so, nur so gedanken ...
ach ja, und ich bin eine frau :-)
alles liebe, beruflich und privat!
Besucher   |28.09.2013; 11:48:19
Hallo Nevermore...
ich mache ein Studium zur Kinder- und Jugendbuchautorin.
Ich sehe deine Worte nicht als negative Kritik (solche läßt mich schon lange kalt), eher als Rat.
Und ja, ich wußte, daß Du eine Frau bist. =)
Wünsche dir alles Gute
Manu   |27.09.2013; 00:32:54
 
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Mel, was Nevermore schreibt hab ich mir auch schon gedacht. Was Du formulierst klingt bisweilen auch für mich romanesque. Könnte Buchvorlage werden; in Kapiteln vorsortiert für die Textredaktion. Wenn ja, möchte ich Deine Buch-Geschichte von Dir persönlich signiert haben!

Kannst Du selbst mit dem Thema was anfangen? Bin mir nicht sicher, gar nicht.

Mag Dir antworten, aber nicht gleich, wir lesen uns. LG, Manu
Manu   |27.09.2013; 01:28:31
 
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Liebe Mel, da war der Satz in Deinem Beitrag da: "Hör auf uns in gesellschaftliche Schubladen zu stecken...". Ihr habt Euch geeinigt, dass Du mit Sabine redest. Bin überzeugt, dass Du mit ihr reden wirst, so schwer es auch für Dich sein mag. Es wird auch für Sabine nicht einfach werden, weiß man?

Habe keinen Schimmer, ob Du jemals meine Beiträge gelesen hast. Egal auch, nur soviel:

Ich werde am Samstag den Mund aufmachen ggb. Bea. Da sind wir verabredet. Heute war sie da, weil sie (gestern schon) Geburtstag hat(te).

Vielleicht geht es Dir Sabine gegenüber wie mir. Konnte heute nicht mehr wirklich offen sein. Für Dich wohl viel schlimmter, weil Ihr zusammenlebt. Kann selbst jetzt wieder für mich sein.

Bleib Du auch dran und schlafe gut, wobei ich das Gefühl habe, dass in unseren Köpfen "Kettenkarusell" abgeht. Ciao, Manu
Besucher   |27.09.2013; 06:35:26
Hallo Manu...
Ich lese immer alles, keine Sorge.
Dir scheint es tatsächlich wie mir zu gehen. Wenn Du willst, kannst Du mir auch privat schreiben, falls du jemanden zum austauschen brauchst.

Mel
Manu   |28.09.2013; 00:21:26
 
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Mel, ich will, werde und muss morgen mit Bea Klartext reden.

Lag heute fast nochmals den ganzen Tag mit Alpträumen flach. Langsam wirds wieder mit mir, ganz langsam... Was morgen sein wird ist sog. ergebnisoffen.

Es macht mit Angst (untertrieben), weil ich keinerlei Ahnung habe, was morgen Abend sein werden wird. Es macht mir sehr Angst! Angst davor, mich zu outen, was ich so lange vor aller Welt verheimlichte..

@ad Fen und Mac: danke für Eure vorbereitenden Beiträge, Manu
EinzigEine   |29.09.2013; 20:12:40
 
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Manu, ich hoffe und wünsche dir, dass du heute die richtigen Worte findest und es dir nach dem Gespräch besser geht. Wovor ha(tte)st du Angst? Vor dem Outen an sich? Oder vor der Reaktion deiner Freundin? Davor, dass sie vielleicht nix mehr mit dir zu tun haben will? Manchmal (oder eigentlich immer!) ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, was konkret die Dinge sind, die uns ängstigen. Wenn wir das herausgefunden haben, sind die nächsten Schritte oft klarer.
Manu  - ziemlich sprachlos, müde und dankbar   |29.09.2013; 21:38:47
 
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Liebe schlaue EinzigEine, das Gespräch war gestern. Ich hatte eine tiefe Angst vor Zurückweisung in mir, nachdem wir schon so vieles Schöne miteinander erlebt hatten. Kann nicht viel schreiben, weil ich müde, ruhig und dankbar bin.

Hatte mit Bea am Abend zuvor telefoniert und ihr auch gesagt, dass ich nochmals mit ihr über bi sprechen möchte. Ich formulierte es in den Worten, die mir Fen am Abend zuvor im Cat geschrieben hatte, in etwa... das Thema Bi ist für mich kein wissenschaftliches Interesse, sondern ein Teil meiner Persönlichkeit... Es war gut, dass ich das Chatprotokoll zuvor noch ein paarmal lesen konnte, auch Macs Beitrag "Seelenleben" zu Möglichkeiten, Grenzen.

Vor dem Gespräch wollte sie noch eine Currywurst, ich hätte keinen Bissen runtergebracht.

Kann vom Gespräch nur schreiben, was mich noch bewegt, deshalb etwas fragmentar:

Ich sagte ihr, wie es mich irritierte, dass sie geäußert hätte, sie würde sich mit einem Mann, der bi sei nie einlassen. Sie antwortete, dass sie nochmals über ihre Aussage nachgedacht habe und es ihr darum ginge sich zu schützen. Vor Heimlichkeiten und Geschlechtskrankheiten.

Ihr sei jetzt so klar und sie merkt, ich würde mich mit dem Thema auseinandersetzen. Diese Klarheit mag sie an mir. Auch, dass ich mich mit Anderen austausche (hier im Forum). Seit unserem ersten Gespräch wüsste sie, dass ich nicht normal, sondern unkonventionell meinen Weg ginge. Mit einem normalen Mann hätte sie sich nicht so offen eingelassen. Ich hätte ihr geholfen sich aus ihrer "störren" (noch nie gehört) Art, ihrer katholisch, konservativen Familie wegzubewegen.

Sie erzählte mir dann auch von ihren Ängsten und Verwicklungen, war dann für mich neu dies zu hören.

Es war ein befreiendes Gespräch für uns Beide. Mehr kann ich nicht schreiben. LG, Manu
EinzigEine   |30.09.2013; 05:42:34
 
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Das ist doch viel, Manu. Und es scheint gut gelaufen zu sein ... ich freue mich für dich, für euch.
Aus deinen Zeilen lese ich, dass Bea's ursprüngliche Aussage zu Bi-Männern wohl nix mit dir zu tun hat, sondern mir ihr ... wie so oft! Wir denken oft, dass es die Anderen sind, die uns das Leben schwer machen. Dabei sind wir es meistens selbst, die im Weg stehen und in deinem Fall standet ihr euch wohl auch jeweils selbst im Weg ... Bea mit ihrer Angst vor Heimlichkeiten und Krankheiten und du mit deiner Angst vor Zurückweisung. Und wenn man dann mal darüber redet, ist es gar nicht mehr so schlimm, oder?
Einen schönen Tag und viele Grüße!
EinzigEine  - P. S.   |30.09.2013; 05:46:55
 
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Ich weiß gar nicht, ob es ok ist, dass wir Mel's Thread hier "missbrauchen" ... obwohl das Thema von Manu ja schon irgendwie hierher passt ...

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