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Bonusmeilen / Frauen
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3: Der nächste Schritt

Nach meiner Vergewaltigung (heute kann ich es beim Namen nennen), war ich nie mehr alleine. Tagsüber war ich in der Schule, danach bei meiner Oma bis abends und dann zuhause. So lief mein Leben erst mal ab. Aber Sebastian war da anderer Ansicht:
Er überredete mich zu einer Therapie. Diese suchte ich dreimal in der Woche mit ihm zusammen auf. Er wich nicht von meiner Seite und das war das, was ich brauchte. Er hielt meine Hand, tröstete mich, wenn es nötig war, hörte zu; er war einfach da und das gab mir Kraft.

Zweimal in der Woche gingen Sebastian und ich in einen Selbstverteidigungskurs. Dies kostete mich mehr Überwindung als die Therapie, denn ich bin total unsportlich. Vielleicht war das gut so, denn so war der Kurs nicht nur ernst sondern auch lustig für mich. Ich denke gerne an diese Zeit zurück...

Ich arbeitete 2 Jahre an mir... In dieser Zeit lernte ich nicht nur für die Schule und den nahenden Abschluß, sondern begann das Internet zu durch forsten. Immer nach der Schule lief ich in die Bibliothek um mich dort für eine oder zwei Stunden an den PC zu setzen. Durch Zufall landete ich in einen Lesben-Chat und fand gleich Anschluss. Vielleicht war dies mein Weg zurück in die Zivilisation, zu Menschen außerhalb meiner vier Wände, dachte ich damals.

Was soll ich sagen? Durch die Anonymität im Internet lernte ich Mädchen kennen, flirtete und verabredete mich auch nach einiger Zeit mit der einen oder anderen (nicht erwähnenswerte Treffen). Sebastian, mit dem ich täglich abends telefonierte, sprach mir gut zu und befürwortete mein Einstieg ins chatten. So hatte er schließlich seinen ersten Freund kennen und lieben gelernt...

Ich war 18 als ich allen Mut zusammen nahm und mich vor meinen Eltern outete.
Ihre Reaktionen:
Mein Vater lachte und nahm es nicht ernst, meine Mutter (sehr konservativ erzogene Rumänin) sah mich mit einem Blick an, als würde sie mich sofort fressen wollen. Ihren ersten Kommentar werde ich nie vergessen und nehme ich ihr heute noch übel:
"Du kannst nicht wissen ob du lesbisch bist, wenn du vorher nicht mit einem Mann geschlafen hast."

Ab da war mir egal, was meine Eltern dachten. Ich begann mein Leben zu leben...

Eine Bonusmeile in 10 Teilen

EinzigEine   |18.09.2013; 17:27:03
 
EinzigEine überprüft die User auf Fakes.
 
Ich ziehe den Hut vor dir und vor dem, was du in der Zeit nach deiner schlimmen Erfahrung geleistet hast. Und ich finde es einfach nur großartig, was für einen guten Freund du mit Sebastian gefunden hast!

Wussten bzw. wissen deine Eltern von der Vergewaltigung?
Und wie ist dein Verhältnis zu ihnen heute?
Besucher   |18.09.2013; 21:04:17
Hallo EinzigEine..

Ich hatte, denke ich, einfach Glück im Unglück... so blöd es auch klingen mag. Hat nicht alles irgendeinen tieferen Sinn. Nicht die Vergewaltigung, aber die Tatsache, daß mich jemand fand und mir mit so einer Inbrunst half, aus tiefsten Herzen, ohne mich je vorher getroffen zu haben. Das ist eine Sache, die mich bis heute schwer beeindruckt...
Meine Eltern wissen Bescheid, aber sie schweigen es tot, tun so als wäre nie was gewesen. Wahrscheinlich denken sie, daß sie mir damit helfen.
Unser Verhältnis ist neutral zueinander. Ein gewisser Riß ist schon da, seit damals und meinem Outing.
Igjarjuk   |18.09.2013; 21:27:43
Fake- Check: 2 FV LLL'ler haben Igjarjuk  als echten User eingestuft.
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Leider ist es für viele Menschen einfacher Dinge tot zu schweigen anstatt sich mal vernünftig damit auseinander zu setzen.
Du hast trotz der schlimmen Dinge die dir passiert sind die richtigen Schritte geschafft und dich damit auseinander gesetzt. Das war und ist wirklich bemerkenswert und das solltest du dir auch eingestehen.
EinzigEine   |19.09.2013; 05:47:22
 
EinzigEine überprüft die User auf Fakes.
 
Manchmal sehen und verstehen wir den Sinn von etwas erst im Nachhinein. Nein, die Vergewaltigung ergibt auch im Nachhinein für dich keinen Sinn, sie war, ist und bleibt immer schlimm. Aber du bist einem tollen Menschen begegnet, der dir geholfen hat und dich weiterhin begleitet und das ist etwas sehr Kostbares ... etwas Unbezahlbares!

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