Also irgendwie beschleicht mich in letzter Zeit immer wieder das Gefühl, dass, gerade was die sexuellen Tendenzen und Variationen angeht, in den letzten Jahren immer mehr neue Begrifflichkeiten und Unter-Verschachtelungen
geschaffen werden.
Aktueller Aufhänger für mein Posting ist einer von Leserattes Beiträgen, in dem sie eine Freundin erwähnt, die sich selbst als 'Fag Hag' bezeichnet.
Ich bin leider nicht ständig auf dem Laufenden was solche Bezeichnungen angeht und mußte erstmal danach googeln:
Eine Fag Hag ist ein aus dem englischen stammender neutraler bis beleidigender Ausdruck für eine Frau, die sich an der Gesellschaft schwuler Männer erfreut und sich ihnen asexuell verbunden fühlt (Quelle: HomoWiki).
Nun stellt sich mir mittlerweile die Frage, warum die Menschen bestrebt sind, für sich und ihre Neigungen ständig neue Namen zu erfinden? Ist es einfach nur, um sich selber interessanter zu machen, sich aus der Masse abzuheben? Muß man für jede noch so geringe Tendenz gleich eine spezielle Bezeichnung erfinden?
Ich selber pflege langjährige Freundschaften mit schwulen Männern, bin aber bisher nie auf die Idee gekommen, dass es dafür einen speziellen Namen braucht. Mir sind die Freunde als Mensch wichtig und da brauche ich keine neue, abgefahrene Begrifflichkeit.
Als anderes Beispiel könnte man den Begriff 'Pansexualität' nehmen. Wenn man den Werbetext einer Internet-Partnervermittlung liest
Als Bewegung wendet sich der Pansexualismus gegen ein vereinfachtes binäres Geschlechter-Verständnis. Der Pansexualismus betrachtet letztlich den Menschen in und für sich und eben nicht als Mann, Frau, Zwitter oder Transsexuellen als zu liebendes und auch sexuell zu begehrendes Wesen.(Quelle: Gleichklang limited)
so hört sich das Ganze erstmal an, wie die Krone der menschlichen Interaktion. ABER: damit wird auch unterstellt, dass sich ein bisexueller oder homosexueller Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, nicht ebenfalls in einen anderen Menschen, der nicht in dieses sogenannte binäre System passt, verlieben könne.
Nun ja, Girlfag hin, Guydyke her...auch auf die Gefahr hin, dass ich nun als altmodisch rüberkomme oder / und mir böse Kommentare einhandele, aber ich empfinde es manchmal einfach als sehr anstrengend, sich im Wirrwarr der ganzen Unterkategorien und Neuschöpfungen von Begriffen zurecht zu finden. Denn bislang erschließt sich mir noch nicht wirklich der Nutzen des Ganzen.