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Leben und so

Hallo, ihr Lieben.

Mal wieder im virtuellen Lande,  möchte ich gleich ein Lebenszeichen hinterlassen.

Die vergangene Woche war ermüdend.

Ein Freund rief mich am 20.6. an, dass unser gemeinsamer Freund plötzlich verstorben ist. Er war während einer Radtour einfach umgefallen.

Traurigkeit, auflegen, heulen, sich vom 10-jährigen Sohn trösten lassen, den Sommerfestbesuch der Ex-Kita verschieben, Thomas zurückrufen, Versuch an Haushaltsarbeit, schwierig, Einkäufe, schwieriger, Sohn zum Kita-Fest schicken, allein sein, die Lebensgefährtin besucht, ganze Familie dort bei Abwicklung organisatorischer Dinge, seltsames Gefühl, Watte in den Adern, wieder auf der Straße, Tränen, Sohn auf dem Kita-Fest treffen, Fragen nach dem Befinden wahrheitsgemäß beantworten, Kuchen essen, Kuchen essen, Kuchen essen, Freund (vom Telefonat) besuchen, reden, verstehen, wieder richtig fühlen, Trauer, aber auch Dankbarkeit für eine schöne Zeit, Lächeln, Sohn vom Kita-Fest holen, ausgetobt, dann müde die ersten Fragen des Kindes, Sinn des Lebens? Wert eines Menschen? Wer bin ich und warum? Intelligente Fragen, schwierige Antworten, Umarmungen, Schlaf, ....und jetzt?

Ein seltsamer Tag. Ein Mensch verschwindet, aber hinterlässt seine Spuren - so wie zugtausende andere jeden Tag. Aber diesen einen kannte ich gut. Am Wochenende war es kaum vorstellbar, das man sich daran gewöhnen könnte, dass er nicht wiederkommt.

Und doch konnte ich eine knappe Woche später die Traurigkeit erst einmal in der Kirche zurücklassen. Am Donnerstag hatte ich den ersten Tag, der sich nicht so müde anfühlte, und am Freitag war die Trauerfeier, bei der sich meine Hoffnung bestätigt hat, dass es nun endlich deutlicher zu spüren ist, dass er tot ist. Ich glaube, das war das Erschöpfende der vergangenen Woche: dass ich wusste, er ist nicht mehr da, aber ich habe das noch nicht so empfunden. Also war da immer eine Art Widerspruch im Fühlen.

Mir geht es gut.

Ich lebe.

Liebe Grüße
von mir

Mac   |29.06.2009; 02:18:35
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Mit Trauer konnte ich bisher noch nie viel anfangen.
Jemand ist gestorben... einer von vielen.
Für mich ist mehr wichtig, ob er etwas aus seinem Leben gemacht hat, ob er Spuren hinterläßt, die nicht nur 2 Generationen anhalten. Oder ob er ein Mensch war über den ich sagen kann, es hat den Falschen erwischt.
Aber ansonsten... einer von vielen.

Bye Mac
Myri   |29.06.2009; 11:58:23
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Hallo Quadratur,

ich hatte deinen Text erst vergangene Nacht gelesen, war aber zu groggy (Renovierungsarbeiten), um noch darauf zu antworten.

Die Traurigkeit, die du empfindest, kann ich gut nachvollziehen. Es hängt sicherlich davon ab, wie intensiv die Beziehung zu dem Menschen war, bzw. welche gemeinsamen Lebensphasen und Erinnerungen man teilt.
Ich glaube, in einem Fall, wo der Tod völlig überraschend eintritt, ist es einfach noch schwieriger, die Tatsache zu verarbeiten.
Anders, als z.B. bei einer schweren Krankheit, wo man eher darauf vorbereitet ist.
Auf der anderen Seite gehören für mich Leben und Tod in einen Kreislauf und ich persönlich halte mich an die - eigentlich wissenschaftliche - Vorstellung, dass Energie nicht verloren geht, sondern sich einfach in andere Formen umwandelt.

Laß es dir weiterhin gut gehen...

Liebe Grüße
Myri
Besucher   |29.06.2009; 13:08:19
Mich berührt sehr, was du schreibst, Quadratur.
Als Simone starb und die Trauerfeier war, weinten alle. Ich fand schon damals, DAS wurde ihr nicht gerecht. Sie hat gerne gelacht und ich hatte extra für diesen Tag ein Foto herausgesucht und hielt es in der Hand, auf dem sie zwar von der Krankheit schwer gezeichnet, aber in genau diesem Moment glücklich war.

Ich denke wie Mac, Tod läßt auf das Leben zurückblicken...

Besucher   |29.06.2009; 17:19:07
Danke für eure Rückmeldungen,
Silke, Myri und Mac.

Ich glaube eigentlich, ich habe den Tod ein bisschen verstanden, mich sogar mit ihm angefreundet. Gerade im letzten Jahr habe ich viel über das Leben und den Tod nachgedacht, mehr noch als in der Zeit davor.

Ich war selbst überrascht, wie erschrocken ich reagiert habe. Das hatte ich an und in mir nicht erwartet. Es war nicht meine erste Konfrontation mit dem Tod, aber die intensivste. Der persönlichste Abschied bisher.

Und das lag vermutlich sehr wesentlich an der Plötzlichkeit. Dass es so ganz unerwartet kam.

Grundsätzlich stimme ich also mit dir überein, Mac. Der Tod gehört zu uns. Ich glaube, er ist immer an unserer Seite. Mein Freund ist daher auch nicht einer von vielen, er ist einer von allen. Wir gehen alle diesen Weg, und gerade durch diese Tatsache hat der Tod für mich einmal seinen größten Schrecken verloren.

Trotzdem - wenn etwas oder jemand, den man gern hat, nicht mehr da ist, wird man traurig. Geht zumindest mir so, und das ist unabhängig davon, was er aus seinem Leben gemacht hat. Da geht es nur um MEINE emotionale Beziehung zu diesem Menschen.

Ich glaube auch, dass jeder Mensch seinen Einfluss in dieser Welt hat und hatte. Generell steuern wir in der universellen Geschichte in eine bestimmte Richtung, aber im Detail hat jedes Wesen seinen eigenen Einfluss auf diese Welt gehabt und sie mitgestaltet.

Wenn schon die Kleinigkeit einer Nanosekunde an Verzögerung dafür sorgt, dass ein anderes Spermium die Eizelle erreicht hätte, wäre ein ganz anderer Mensch als ich entstanden. Insofern hat jede noch so kleinste Aktion, jedes noch so unbedeutenden Uräffchens vor 3-Millionen Jahren mit dazu beigetragen, dass heute gerade ich diese Zeilen tippe. Oder dass die Welt gerade jetzt in genau diesem Entwicklungsstand steckt. Die Welt wäre von anderen Menschen (oder Wesen) bevölkert, die die eine Erfindung früher, die andere später gemacht hätten.

Ich bin ein Produkt aller Wesen, die je auf diesem Planeten gelebt haben, ich bin ein Produkt aller Sterne, die je im Universum leuchteten, und ich bin ein Produkt aller Prozesse, die seit dem Urknall abgelaufen sind - sowohl der deterministischen, als auch der zufälligen.

Insofern: Der gesamte Weg der vergangenen Welt steckt in mir.

Das ist meine Meinung dazu, ob man sich überhaupt die Frage stellen kann, dass jemand keine nachhaltigen Spuren in dieser Welt hinterlässt.

So wie ich das sehe, tut das jeder.

Liebe Grüße
vom Quadratur

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