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Geschrieben von Myri   
Mittwoch, 25. Februar 2009
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Samstag, 26. Mai 2012

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Folter durch Traditionen

Vorgestern Abend habe ich in einem TV-Beitrag gesehen, dessen Thema, obwohl es mir nicht unbekannt war, mich erneut innerlich ziemlich durchgeschüttelt hat.
Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr den Begriff "Pharaonische Beschneidung" hört? Sicherlich vermuten viele dahinter den, laut Wikipedia, weltweit am häufigsten durchgeführten chirugischen Eingriff, nämlich die Entfernung der männlichen Vorhaut. Doch weit gefehlt! Hierbei handelt es sich um eine grausame Tradition, die in vielen Ländern Mittel-Afrikas und im südlichen Arabien noch immer gang und gäbe ist: die Beschneidung von Mädchen. 
Obwohl die Praxis fast überall verboten ist, werden laut UNICEF (Stand Februar 2009) jährlich schätzungsweise 3 Millionen Mädchen (das entspricht mehr als 8000 Eingriffe pro Tag) an ihren Genitalien beschnitten. 
Es ist grauenvoll, wenn man mitansieht, wie diese Verstümmelung an den Mädchen im Alter von 4 - 12 Jahren vorgenommen wird: die Kinder werden von einer oder mehreren Frauen festgehalten und bei vollem Bewußtsein wird unter unsterilen Bedingungen mittels Rasierklingen, Glasscherben oder Dosendeckeln das entsetzliche Ritual an ihnen vollzogen. Die Durchführungen reichen vom "leichtesten" Fall, dem teilweisen oder ganzen Entfernen der Klitoris bis hin zur zusätzlichen kompletten Amputation der inneren und äußeren Schamlippen. Anschließend wird der verbleibende Teil bis auf eine reiskorngroße Öffnung, die zum Urinieren und zum Blutabfluss dient, zusammengenäht oder mit Dornen zusammengedrückt. 
Aber das Schlimme ist, dass die Qualen für die Mädchen, die diese Prozedur überlebt haben, bzw. nicht unmittelbar an deren Folgen durch Verbluten oder Wundfieber gestorben sind, damit nicht ausgestanden sind. Die lebenslangen Folgen sind u.a. Probleme beim Urinieren (es dauert bis zu einer halben Stunde), Regelblutungen dauern, bedingt durch Blutstauungen, 2 - 4 Wochen, Geschlechtsverkehr ist mit entsetzlichen Schmerzen verbunden. Hierzu, wie auch zur Geburt von Kindern, werden die Frauen aufgeschnitten und danach erfolgt meist wieder die Verschließung.
Aber eine Genitalverstümmelung bringt nicht nur körperliche, sondern auch, wie man sich denken kann, massive Verletzungen der Persönlichkeit in ihrem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen mit sich. Viele der Frauen leiden an Depressionen, Schlafstörungen und Psychosen.
Der Kreislauf dieses grausligen Ritus wird aufrecht erhalten durch die Kralle der "Tradition". Die Personen, die sie missachten, haben mit gesellschaftlichen Sanktionen zu rechnen. In Gesellschaften, die die Beschneidung praktizieren, werden nicht beschnittene Frauen stigmatisiert, sie sind der Ächtung und Geringschätzung ihrer Umwelt ausgeliefert. 

Die Schreie, das Weinen der Mädchen, die Bilder der ungerührt agierenden Frauen hallen mir lange im Gedächtnis und es ist unvorstellbar, welche Macht althergebrachte gesellschaftliche Normen haben, die diese Form der Menschenrechtsverletzung noch immer befürworten!
Ich komme mit solch einer Denkweise einfach nicht klar und frage mich, wie Mütter, die am eigenen Leibe diese Qualen durchmachen, es ihren Kindern antun können. Die Welten und deren Werte liegen wohl nicht nur tausende von Kilometern, sondern eher Jahrhunderte auseinander. 

Besucher   |26.02.2009; 12:35:12
Ein ganz wichtiger Bericht von dir, Myri! Vieles, was scheinbar weit weg ist, berührt nicht und gerade deshalb finde ich es wichtig, sich damit auseinander zu setzen.
Es ist Gewalt an Frauen und Mädchen, was da unter rituellen Hintergründen praktiziert wird. Würde, Respekt und Integrität werden verletzt.
Ich habe gelesen, daß von 20.700 beschnittenen Frauen, darunter 2000 Frauen und Mädchen in Deutschland beschnitten werden. Also doch nicht so weit weg???
Besucher   |27.02.2009; 09:33:37
So weit weg ist es nicht und zudem schon einige Jahre bekannt, auch wenn man nicht oft etwas davon hört.

http://www.emma.de/fgm_report__2009_1.html
Myri   |21.01.2011; 15:50:22
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Zumindest ein kleiner Lichtblick in NRW:

Seit fünf Jahren leitet die selbstbetroffene Somalierin Jawahir Cumar in Düsseldorf die einzige FGM (Female Genital Mutilation)-Beratungsstelle in NRW.
Nun gibt es seit Anfang Januar diesen Jahres auch eine Telefon-Hotline für Betroffene.
Die Hotline ist zu erreichen unter: 0211/985 957 89
oder 248 666 25.
Fen   |22.01.2011; 23:05:39
 
Fake- Check: 2 FV LLL'ler haben Fen  als echten User eingestuft.
 
Selbst die Vorstellung ist schon unerträglich. Entsetzlich! Warum tun Menschen das ihren Kindern an? Haarsträubend, dass sogar hierzulande so etwas passiert.
Mac  - Ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer   |31.01.2015; 01:30:45
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Ich will nicht zu viel Optimismus verbreiten, da es vom Erlassen des Gesetzes, bis zur ersten Verurteilung, 7 Jahre gedauert hat, aber es ist ein kleiner Anfang.
Ägypten: Arzt wegen Genitalverstümmelung verurteilt
Vergessen werden darf dabei aber auch nicht, daß für dieses Urteil ein Mädchen sterben mußte und die Strafe dafür viel zu gering ist.
Was mich an dem Artikel allerdings etwas verwundert hat, war die Erwähnung, daß es sich um eine "Einser-Schülerin" handelte. Wäre das Urteil bei einer "Fünfer-Schülerin" anders ausgefallen?


Bye Mac
Besucher   |06.02.2015; 20:56:34
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 
Heute ist der internationale Tag "Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung".

Leider gibt es viel zu viele Graumsamkeiten auf diesem Planeten und es bedrückt mich wenn ich sehe wie Menschenrechte auf das übelste missachtet werden. Man fragt sich wie können Menschen so grausam sein...im Rahmen einer Podiumsdisskusion die sich mit dem Thema Folter auseinander setzte war es schon erstaunlich zu hören dass Menschen tagsüber andere Menschen grausam foltern und abends nach Dienstschluss nach Hause gehen, in Ruhe und zufrieden mit ihrer Familie zu Abend essen und dann den Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen...dort habe ich auch einen Iraner kennen gelernt dem bei einem Folterverhör u. a. die Zähne gezogen wurden...

Was die weibliche Beschneidung betrifft habe ich damals das Buch von Waris Dirie gelesen und ich war fassungslos dass dieses Ritual praktiziert wird. Sie setzt sich heute sehr aktiv gegen diese Verstümmelungen ein.

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