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Samstag, 26. Mai 2012 um 05:41
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Wieso?
Wieso?
Folter durch Traditionen
Vorgestern Abend habe ich in einem TV-Beitrag gesehen, dessen Thema, obwohl es mir nicht unbekannt war, mich erneut innerlich ziemlich durchgeschüttelt hat.
Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr den Begriff "Pharaonische Beschneidung" hört? Sicherlich vermuten viele dahinter den, laut Wikipedia, weltweit am häufigsten durchgeführten chirugischen Eingriff, nämlich die Entfernung der männlichen Vorhaut. Doch weit gefehlt! Hierbei handelt es sich um eine grausame Tradition, die in vielen Ländern Mittel-Afrikas und im südlichen Arabien noch immer gang und gäbe ist: die Beschneidung von Mädchen.
Obwohl die Praxis fast überall verboten ist, werden laut UNICEF (Stand Februar 2009) jährlich schätzungsweise 3 Millionen Mädchen (das entspricht mehr als 8000 Eingriffe pro Tag) an ihren Genitalien beschnitten.
Es ist grauenvoll, wenn man mitansieht, wie diese Verstümmelung an den Mädchen im Alter von 4 - 12 Jahren vorgenommen wird: die Kinder werden von einer oder mehreren Frauen festgehalten und bei vollem Bewußtsein wird unter unsterilen Bedingungen mittels Rasierklingen, Glasscherben oder Dosendeckeln das entsetzliche Ritual an ihnen vollzogen. Die Durchführungen reichen vom "leichtesten" Fall, dem teilweisen oder ganzen Entfernen der Klitoris bis hin zur zusätzlichen kompletten Amputation der inneren und äußeren Schamlippen. Anschließend wird der verbleibende Teil bis auf eine reiskorngroße Öffnung, die zum Urinieren und zum Blutabfluss dient, zusammengenäht oder mit Dornen zusammengedrückt.
Aber das Schlimme ist, dass die Qualen für die Mädchen, die diese Prozedur überlebt haben, bzw. nicht unmittelbar an deren Folgen durch Verbluten oder Wundfieber gestorben sind, damit nicht ausgestanden sind. Die lebenslangen Folgen sind u.a. Probleme beim Urinieren (es dauert bis zu einer halben Stunde), Regelblutungen dauern, bedingt durch Blutstauungen, 2 - 4 Wochen, Geschlechtsverkehr ist mit entsetzlichen Schmerzen verbunden. Hierzu, wie auch zur Geburt von Kindern, werden die Frauen aufgeschnitten und danach erfolgt meist wieder die Verschließung.
Aber eine Genitalverstümmelung bringt nicht nur körperliche, sondern auch, wie man sich denken kann, massive Verletzungen der Persönlichkeit in ihrem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen mit sich. Viele der Frauen leiden an Depressionen, Schlafstörungen und Psychosen.
Der Kreislauf dieses grausligen Ritus wird aufrecht erhalten durch die Kralle der "Tradition". Die Personen, die sie missachten, haben mit gesellschaftlichen Sanktionen zu rechnen. In Gesellschaften, die die Beschneidung praktizieren, werden nicht beschnittene Frauen stigmatisiert, sie sind der Ächtung und Geringschätzung ihrer Umwelt ausgeliefert.
Die Schreie, das Weinen der Mädchen, die Bilder der ungerührt agierenden Frauen hallen mir lange im Gedächtnis und es ist unvorstellbar, welche Macht althergebrachte gesellschaftliche Normen haben, die diese Form der Menschenrechtsverletzung noch immer befürworten!
Ich komme mit solch einer Denkweise einfach nicht klar und frage mich, wie Mütter, die am eigenen Leibe diese Qualen durchmachen, es ihren Kindern antun können. Die Welten und deren Werte liegen wohl nicht nur tausende von Kilometern, sondern eher Jahrhunderte auseinander.
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 26. Mai 2012 um 05:41 )
Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr den Begriff "Pharaonische Beschneidung" hört? Sicherlich vermuten viele dahinter den, laut Wikipedia, weltweit am häufigsten durchgeführten chirugischen Eingriff, nämlich die Entfernung der männlichen Vorhaut. Doch weit gefehlt! Hierbei handelt es sich um eine grausame Tradition, die in vielen Ländern Mittel-Afrikas und im südlichen Arabien noch immer gang und gäbe ist: die Beschneidung von Mädchen.
Obwohl die Praxis fast überall verboten ist, werden laut UNICEF (Stand Februar 2009) jährlich schätzungsweise 3 Millionen Mädchen (das entspricht mehr als 8000 Eingriffe pro Tag) an ihren Genitalien beschnitten.
Es ist grauenvoll, wenn man mitansieht, wie diese Verstümmelung an den Mädchen im Alter von 4 - 12 Jahren vorgenommen wird: die Kinder werden von einer oder mehreren Frauen festgehalten und bei vollem Bewußtsein wird unter unsterilen Bedingungen mittels Rasierklingen, Glasscherben oder Dosendeckeln das entsetzliche Ritual an ihnen vollzogen. Die Durchführungen reichen vom "leichtesten" Fall, dem teilweisen oder ganzen Entfernen der Klitoris bis hin zur zusätzlichen kompletten Amputation der inneren und äußeren Schamlippen. Anschließend wird der verbleibende Teil bis auf eine reiskorngroße Öffnung, die zum Urinieren und zum Blutabfluss dient, zusammengenäht oder mit Dornen zusammengedrückt.
Aber das Schlimme ist, dass die Qualen für die Mädchen, die diese Prozedur überlebt haben, bzw. nicht unmittelbar an deren Folgen durch Verbluten oder Wundfieber gestorben sind, damit nicht ausgestanden sind. Die lebenslangen Folgen sind u.a. Probleme beim Urinieren (es dauert bis zu einer halben Stunde), Regelblutungen dauern, bedingt durch Blutstauungen, 2 - 4 Wochen, Geschlechtsverkehr ist mit entsetzlichen Schmerzen verbunden. Hierzu, wie auch zur Geburt von Kindern, werden die Frauen aufgeschnitten und danach erfolgt meist wieder die Verschließung.
Aber eine Genitalverstümmelung bringt nicht nur körperliche, sondern auch, wie man sich denken kann, massive Verletzungen der Persönlichkeit in ihrem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen mit sich. Viele der Frauen leiden an Depressionen, Schlafstörungen und Psychosen.
Der Kreislauf dieses grausligen Ritus wird aufrecht erhalten durch die Kralle der "Tradition". Die Personen, die sie missachten, haben mit gesellschaftlichen Sanktionen zu rechnen. In Gesellschaften, die die Beschneidung praktizieren, werden nicht beschnittene Frauen stigmatisiert, sie sind der Ächtung und Geringschätzung ihrer Umwelt ausgeliefert.
Die Schreie, das Weinen der Mädchen, die Bilder der ungerührt agierenden Frauen hallen mir lange im Gedächtnis und es ist unvorstellbar, welche Macht althergebrachte gesellschaftliche Normen haben, die diese Form der Menschenrechtsverletzung noch immer befürworten!
Ich komme mit solch einer Denkweise einfach nicht klar und frage mich, wie Mütter, die am eigenen Leibe diese Qualen durchmachen, es ihren Kindern antun können. Die Welten und deren Werte liegen wohl nicht nur tausende von Kilometern, sondern eher Jahrhunderte auseinander.
Kurzlink: lilelu.de/!3747
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