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Eifersucht

Liebe LLLer,

erst einmal herzlichen Dank für die freundlichen Kommentare auf meinen ersten Eintrag. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das, was ich jetzt schreibe, hier hinein gehört oder ins Forum oder wo sonst hin. Das durchschaue ich noch nicht ganz. Ich hoffe, dass ich trotzdem mit einigen von Euch darüber ins Gespräch komme. Ich lebe meine Bi-Seite jetzt seit knapp 7 Jahren, in welchen sich meine Frau mit wechselndem Erfolg tolerant zeigte. Seit gut einem halben Jahr nun ist sie an der Ecke völlig entspannt. Nun hatte ich immer den Slogan vertreten: Gleiches Recht für alle. Will sagen, wenn ich mir Freiheiten nehme, darf sie das auch, und dafür, dass sie nicht bi empfindet kann sie ja nichts, also bedeutet das auch andere Männer. Nun hat sie sich die Freiheit genommen. Allerdings viel schärfer als ich es je erwartet habe. Mir ist in all den Jahren die große Liebe zu einem Mann nicht begegnet. So gab es auch keine Beziehung neben der Ehe, sondern bestenfalls mal eine Freundschaft, die auch sexuelle Seiten hatte. Sie aber verliebte sich bis über beide Ohren. Es ging zu, wie in einer pubertären Phase: Mehrere SMS und Anrufe am Tag, innerlich woanders sein, halt das ganze Programm. An dem Wochenende, an welchem sie sich trafen, bin ich dann fast im Dreieck gesprungen. Ich war so heillos und erschüttert, das hätte ich selbst nicht von mir gedacht. Inzwischen ist diese andere Beziehung beendet, aber es bleibt auf beiden Seiten ein fader Nachgeschmack.

Kennt jemand von Euch solche oder ähnliche Situationen? Und wie geht Ihr damit um?

P.S. Leider muss ich meistens abends arbeiten, weshalb mir oftmals die Möglichkeit des Chattens entgeht. Ich hoffe, wir finden dennoch Formen der Verständigung.

 

 

Mac   |21.01.2008; 13:18:05
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Zitat:
Gleiches Recht für alle. Will sagen, wenn ich mir Freiheiten nehme, darf sie das auch...

Ja, das sagt sich immer so einfach.
Besucher  - Die Eigendynamik von Gefühlen   |21.01.2008; 22:26:55
Hallo HuG,

ganz schwierig... Man weiß nie, worauf man sich einlässt, wenn man sich einlässt. Folgt man den spontanen Gefühlen, kann viel passieren. Offenbar ist das bei Deiner Frau so geschehen. Insbesondere wenn diese "Freiheit" etwas ganz Neues ist, fällt es den Betroffen meist nicht leicht, damit umzugehen. Es kann sehr schnell ein unglaubliches Gefühlschaos folgen.

Dass Du Dich vielleicht einmal neu verliebst, kannst Du sicher auch nicht hundertprozentig ausschließen, denke ich.

Ich kenne Menschen, die mit einer solchen Offenheit schon viele gemeinsame Jahre sehr entspannt leben. Trotzdem kommt auch diesen manchmal ein plötzliches Verlieben in die Quere. Bisher haben sie es immer ganz gut gemeistert, doch manchmal war's trotzdem nicht leicht, erzählen sie.

So komme ich auf mein Anfangsstatement zurück: Ganz schwierig...

Viele Grüße
Quadratur
Besucher  - Schwer in Worte zu fassen   |22.01.2008; 09:04:41
Also, mein Freund ist nicht bi und wenn er auf einmal andere Frauen treffen wollte...hmmm ich glaub, da hätte ich auch ein sehr starkes Problem mit. Das wäre auch für mich nicht das gleiche Recht. Gleiches Recht wäre das Treffen mit dem gleichen Geschlecht. Klar kann er nichts dafür, dass er nicht bi ist, aber ich kann auch nichts dafür dass er hetero ist...oder so in der Richtung. Wenn er auf so ein "Recht" pochen würde, wäre für mich die Beziehung in Frage gestellt.
Besucher  - re: Schwer in Worte zu fassen   |26.01.2008; 18:44:16
Hallo Mondfrau,
diese Form von "Berechtigungsdenken" habe ich auch schon oft im Bine.net gelesen. Wenn ich Mac richtig verstanden habe, sieht er das ganz ähnlich.

Ich habe da eine ganz andere Meinung, aber versteh das nicht falsch. Es gibt hier kein allgemein gültiges Richtig oder Falsch. Ich erkenne Eure Meinung und die so vieler anderer Bisexueller durchaus an, fühle das aber selbst ganz anders.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch in all seinen Lebensbereichen ganz verschiedene Bedürfnisse und Vorlieben hat. Um erst mal bei einem unsexuellen Beispiel zu bleiben: Falls mein bester Freund mich zum Musical "Mamma Mia" einlädt, würde ich ihm absagen, ihm aber natürlich nicht verbieten, mit jemand anderem hinzugehen. Ebenso wie er umgekehrt so handeln dürfte, wenn ich ihn zum Kinofilm "An ihrer Seite" einlade. Zwei unterschiedliche, aber ähnliche kulturelle Ereignisse, und die gleiche Entscheidungsfreiheit.

Das ist natürlich ein höchst harmloses zwischenmenschliches Beispiel, aber in unterschiedlich starker Ausprägung gibt es ähnliche Situationen eben auch in Freundschaften, Beziehungen, Ehen, Sexualität...

Wenn wir als Bisexuelle eine Zweitbeziehung oder eine Affäre eingehen, glauben wir, wir dürften das so einfach rechtfertigen, weil wir in unserer Beziehung nicht diese andere Art Sexualität erleben können, die wir uns zusätzlich wünschen.

Wenn aber der/die heterosexuelle Partner(in) eines bisexuellen Menschen eine Zweitbeziehung hat, geschieht das möglicherweise aus ganz ähnlichen Gründen. In der Sexualität zu dem anderen Menschen kann etwas gelebt und erlebt werden, was in der Hauptbeziehung nicht (mehr) gelebt wird.

Ich finde es schade, dass ein Großteil der bisexuellen Menschen da etwas einseitig fühlt. Viele Bisexuelle sagen, dass das eine ganz andere Situation wäre, dass die eigene Zweitbeziehung ja nicht die Liebe zu ihrem Partner beeinträchtigen würde und er eben nicht die gesamte Palette der eigenen Wünsche und Bedürfnisse abdecken kann. Umgekehrt sprechen sie es dem Partner aber ab... dass es ein Fremdgehen wäre, dass er mich nicht mehr liebt.

Ich finde: Kein Mensch auf der Welt kann ganz allein die gesamte Palette der Wünsche und Bedürfnisse eines anderen Menschen abdecken - und das in jedem Lebensbereich!

Dieses Ungleichgewicht in der Bewertung (Bi's dürfen, Heten und Homosexuelle nicht) finde ich sehr ungerecht. Aber - es ist auch menschlich, so zu fühlen, unsicher zu sein... zu lernen, dass nicht nur der Partner mich mit jemand anderem teilen soll, sondern dass auch ich meinen Partner mit jemand anderen teilen kann.

Ich wünsche mir da viel mehr Verständnis von denen, die selbst immer wieder um Verständnis bitten.

(Keine Belehrung oder ein Bekehrungsversuch. Ich sag nur, wie ich es fühle. Und das ist einfach anders als bei Dir.)

Viele Grüße
Mac   |27.01.2008; 01:47:27
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frei nach E.M. "ich liebe Euch doch alle..."
Mac  - Fremdgehen   |22.01.2008; 21:27:08
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Ich habe das bisher immer sehr klar getrennt. Wenn es nicht mein Geschlecht war, war es für mich in Ordnung, alles andere war Fremdgehen.
Ich habe oft die Frage von Heteros gelesen: 'Was hat Er/Sie/Es, was ich nicht habe?'. Ich finde sie berechtigt, aber auch recht leicht zu beantworten. Umgekehrt wäre es da schon schwieriger. Was hat Er, was ich nicht habe?
Besucher   |22.01.2008; 22:03:09
Mein Mann und ich sind in unseren Bedürfnissen und Wünschen unterschiedlich. Ich bin bi, er nicht. Ich sehe keinen Grund, ihm Freiheiten anzubieten, die er nicht will.
Besucher   |26.01.2008; 13:03:19
Vielen Dank für Eure Äußerungen zu meinem "Problem". Die doch teilweise sehr unterschiedlichen Reaktionen zeigen mir, dass es (ich habs geahnt) auch hier, wie in allen zwischenmenschlichen Dingen, kein Patentrezept gibt und jeder selbst auf die Antworten der eigenen Lebensfragen kommen muss. In meinem Falle habe ich zwischenzeitlich durch diesen Konflikt erfahren, wo die Schwachstelle unserer Beziehung liegt und eine Möglichkeit gefunden, daran intensiv zu arbeiten. Ziel der ganzen Sache ist, eine innere Sicherheit und Autonomie, die es mir ermöglicht, meiner Partnerin Freiräume zu geben, ohne dabei vor Panik durchzudrehen und andrerseits auch mir ermöglicht, meine Freiheiten zu leben, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Wer mehr darüber wissen will, kann mich gern persönlich kontaktieren. Öffentlich möchte ich hier nicht zu persönliche Sachen preisgeben.
Myri  - Lösungswege?   |27.01.2008; 01:46:29
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Hallo HuG,
die Thematik, die dich hier beschäftigt, ist natürlich eine recht vielschichtige (wir hatten uns ja bereits im Chat darüber unterhalten). Wichtig ist hierbei denke ich, dass man über seine Ängste und Befürchtungen redet (und natürlich - im Idealfall - zu einer für beide akzeptablen Lösung kommt).
Mac hatte bereits vor einiger Zeit mal Anregung gegeben, dieses Thema näher zu erörtern /schubladen/bisexuell/leben_mit_einem_bi-_partner_169_46.html . Vielleicht besteht ja bei dem/der Einen oder Anderen Interesse, sich dazu näher zu äussern?
Besucher   |26.01.2008; 22:49:43
Hallo Quadratur,
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich denke, wir dürfen uns nicht hinter unserer Veranlagung verstecken. Ich habe bei o.g. Situation gemerkt, dass die gleichen Gefühle, die meine Frau bei meinen bisexuellen "Kapriolen" hatte, mich heimgesucht haben. Also, wenn wir in Freiheit leben wollen, müssen wir dem Partner die gleiche Freiheit zugestehen. Es ist dann an uns, damit souverän umzugehen.

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