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Freitag, 17. Juni 2011
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Samstag, 17. November 2012

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Befreit

Da ist diese Frau, in die ich mich vor nunmehr fast zwei Jahren verliebt habe. Die so sehr meine Phantasie angeregt hat, dass ich meine Bisexualität nicht mehr unterdrücken konnte. Der Stein des Anstoßes also.

Anderthalb Jahre lang haben wir uns in loser Folge Mails geschrieben, ab und an telefoniert, uns getroffen. Dabei war immer klar, dass ich an einem Kontakt stärker interessiert war als sie. Immer hab ich sehnsüchtig auf Reaktionen von ihr gewartet. Die auch immer zuverlässig kamen, aber irgendwie hat es sich immer angefühlt wie am ausgestreckten Arm zu verhungern.

Dabei hab ich doch immer gewußt und mir nie eingestanden, daß ich verliebt in sie war, nicht einfach nur befreundet sein wollte, sich alles nicht-platonische aber nicht mit meiner Ehe vereinbaren ließe. Ich hatte gehofft, daß die erotischen Gefühle schon irgendwie leise genug sein würden, wenn ich erst richtig mit ihr befreundet wäre. Daß es mich zufriedener machen würde, ein bißchen von ihr zu haben, als gar nichts.

Im letzten Winter kam dann mehr von ihr. Die Treffen wurden länger, privater. Sie hat von sich erzählt. Mir viel von sich gezeigt. Ich war entzückt, und ich habe mich gehen lassen. Meine Mails wuchsen ellenlang und kamen häufiger.

Plötzlich hat sie den Kontakt abgebrochen. Mit schwer nachvollziehbaren Begründungen, unter anderem, weil ich zu stark den Kontakt zu ihr suchen würde. Ich war am Boden zerstört. Habe meinen Kummer, mein Unverständnis und meinen Ärger für mich behalten, mich bei ihr entschuldigt für meine Aufdringlichkeit. Weil es aussichtslos schien, sie umstimmen zu wollen. Weil herumzupoltern sich so klein angefühlt hätte.

Nach zwei Monaten hab ich ihr wieder geschrieben. Sie hat mir gefehlt, und ich dachte, vielleicht kann man es klären. Sie hat vorsichtig reagiert. Gleich deutlich gemacht, daß sie in einer Lebenskrise steckt, weil sie sich von ihrer Partnerin getrennt hat (worüber sie begann nachzudenken, als sie den Kontakt zu mir abgebrochen hatte, komisch). In den drei Monaten danach hab ich immer mal vorsichtig angeklopft. Ich wollte den Kontakt wieder aufbauen und irgendwann vielleicht mal von Angesicht zu Angesicht über das reden, was war. Aber vordergründig gut Stimmung zu machen und im Hintergrund immer noch wütend zu sein wegen der Art, wie sie mich einfach fallen gelassen hat, und dabei getan hat, als hätte sie sich schon die ganze Zeit keinen Deut für mich interessiert, wurde immer anstrengender. Auch wieder diese elende Warterei und Angst vor ihren Reaktionen, vor einer erneuten Ablehnung.

Montag hab ich ihr schließlich endlich das geschrieben, was ich seit einem halben Jahr auf dem Herzen hatte. Dienstag kam ihre wütende Antwort; jetzt wolle sie erst recht nichts mehr mit mir zu tun haben. Schon verständlich, habe ich es doch so lange zurückgehalten und drei Monate lang schön Wetter gemacht. Erst kamen die alte Scham zurück, die Kleinheit. Aber mit Hilfe lieber Freunde konnte ich sehen: Ich habe mich endlich mit ihr auf eine Stufe gestellt, mich nicht mehr geduckt und versucht, so zu sein, wie sie mich haben wollte. Klar paßt ihr das nicht. Aber das macht auch nichts. Im Gegenteil, daß sie so wütend ist, erleichtert mich ungemein. Es ist vorbei. Das Warten und Hoffen ist vorbei. Das Kleinmachen und darüber grübeln, was ich sagen und lassen muß, damit sie mich gnädig in ihrer Nähe duldet.

Was bleibt, ist Melancholie. Irgendwie zu mir hingezogen hat sie sich ja doch gefühlt. Irgendwas hat sie von mir gewollt. Vielleicht hätte es funktionieren können, wären wir uns zu einer anderen Zeit begegnet. Wenn wir beide solo gewesen wären. Vielleicht hätte es aber auch nie funktioniert, vielleicht hätte es auch in einer Freundschaft oder Beziehung immer diesen Tanz gegeben, sie vor mir weg und ich schmachtend hinterher.

Vorbei. Nun konzentriere ich mich auf die Menschen, die bereit sind, mir zu geben.

Fen   |17.06.2011; 21:03:11
 
Fake- Check: 2 FV LLL'ler haben Fen  als echten User eingestuft.
 
Fühle dich mal gedrückt von mir. Mensch, was ist das doof gelaufen. Nur mach was dran. Sich auf die Menschen konzentrieren, die einem gut tun, ist sicherlich eine gute Idee.
Myri   |18.06.2011; 02:58:06
Myri überprüft die User auf Fakes.
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Prima, dass du dich freigestrampelt hast, auch wenns erstmal einen traurigen Beigeschmack hat.
Aber auf Dauer mit dem 'Jo-Jo-Effekt' von Nähe und Distanz zu leben bringt rein gar nix .
Besucher   |18.06.2011; 11:00:24
Dank euch!

Es geht mir wirklich gut damit. Ich fühle mich frei. Traurig, ja, aber nicht mehr hin- und hergerissen, bangend, hoffend, enttäuscht. Ich hab lange gedacht, ich könnte es nicht aushalten, ohne sie zu sein. Völliger Unsinn. Alles mit ihr war weit anstrengender als diese Melancholie jetzt.

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