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Re:Wenn einer zu sehr liebt!?!
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Re:Wenn einer zu sehr liebt!?!
Beitrag geschrieben von Ruhrpottler am 09.12.2017, 01:40 Uhr
Letzte Änderung: 09.12.2017, 01:41 von Ruhrpottler.
von  Ruhrpottler
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Hallo Butterblume,

dafür habe ich keine einfache Antwort. Ich glaube, dass ich die Tendenz zu dieser Entwicklung bereits in mir hatte, als Teil einer Gesamtwandlung meines Lebens. Ich hatte vor einigen Jahren begonnen, Veränderungen anzustreben und anzustoßen, die mich letztlich mir selbst näher brachten. Keine Ahnung, wie ich das beschreiben soll. Ich hatte das Gefühl, nicht ich selbst zu sein, und wollte diesem seltsamen Gefühl auf den Grund gehen und es dann auch verändern.

Während dieses Aufdengrundgehens bekam ich ein Zeit lang heftige Panikattacken, die man als Sorge des "falschen" Ichs vor der möglichen Auslöschung bezeichnen könnte. Das hab ich dann alleine nicht mehr geschafft und mir eine Beratung gesucht, die mich begleitet hat.

Über einen längeren Zeitraum in diesem Prozess, der insgesamt wohl ca. 10 Jahre gedauert hat (nicht die Beratung, die ging nur über wenige Sitzungen), hatte ich eine Fernbeziehung, die ich einerseits als Katalysator für meine Entwicklung, andererseits auch als ungeheuer schwierig und mühsam empfand. Die Dame hatte einige Verhaltensmuster, die ganz bestimmte Knöpfe bei mir drückten. Das war schwierig, machte aber auch immer meine Grenzen spürbar, die ich auf anderem Wege womöglich erst viel später hätte finden können. Ich war zu der Zeit auch viel anfälliger für Herzschmerz als ich es für möglich gehalten hatte und habe damals nicht gedacht, dass ich emotional noch einmal solch schwierige Zeiten wie als Jugendlicher durchmachen könnte. Andererseits hatte ich dadurch eine sehr steile "Lernkurve" darüber, was ich aus meinem Leben gerne verbannen und wie ich es glücklicher erleben möchte.

Es gab einen Punkt, an dem bei mir irgendwas "Schnipp" machte und ich konnte die Beziehung ganz plötzlich relativ leicht loslassen. Es entstand dann innerhalb weniger Wochen eine sehr starke innere Ruhe und eine Selbstverständlichkeit darüber, wie ich ticke. Ich glaube, es war der Punkt, an dem ich mein eigenes Selbstbewusstsein erstmals so richtig spürte. Ich kann mich seitdem betrachten und was ich sehe, ist sehr gut. Das war früher nicht so. Da gab es viel Unsicherheit.

Meine Meinung ist heute, dass Gefühle in mir selbst entstehen, nicht dass jemand anderes sie erzeugt. Ich erzeuge sie selbst. Wenn ich mich also verliebe, dann hat das nichts damit zu tun, dass die betreffende Person mich auch liebt oder besonders nett zu mir ist. Ich kenne sehr viele nette, freundliche, liebenswerte Personen, aber ich verliebe mich nicht in jede (obwohl doch immerwieder mal in die ein oder andere). Mit der Klarheit, die ich über meine Gefühle habe, fällt es mir leicht, jemanden zu mögen oder gar zu lieben, ohne dass ich mir daraus etwas Großes verspreche. Ich kann das Gefühl in mir, und nur dieses Gefühl genießen. Ich habe mir mit jemandem auch schon gegenseitige Verliebtheit gestanden, ohne dass wir daraus mehr als eine Freundschaft haben entstehen lassen, weil wir jeder für sich bereits in einer Beziehungen sind. Das gute Gefühl existiert trotzdem weiter. Es kennt aber keine Eifersucht, keine Verlustangst, keine Trennungssorgen.

Es gibt diesen Buchtitel, den ich immer als ziemlich platt empfunden habe, aber der es nun, da ich diesen Weg beschritten habe, ganz gut trifft: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest. Keine Ahnung vom Inhalt des Buches, aber der Satz hat etwas Wahres. Seit ich mit mir selbst im Reinen bin, ist die Liebe leichter geworden. Ich fühle mich nicht mehr wie auf einem ruderlosen Floss auf hoher See, sondern wie ein Kapitän, der die Wellen versteht und das Steuerrad fest in Händen hält. Ich weiß, dass ich auf Kurs bin, und ich weiß, dass ich auch weiterhin Menschen treffe, die ich gern habe oder in die ich mich verlieben kann. Zu wissen, dass ich dieses Liebesgefühl permanent in mir habe, macht mich stark. Es ist unangreifbar, weil es zu mir gehört, nicht zu einer ganz bestimmten anderen Person.

Nichtsdestotrotz ist es natürlich toll, auch eine Beziehung zu führen, die von gegenseitiger Liebe geprägt ist. Aber auch bei der stand das zu Beginn nicht im Vordergrund. Als ich diese Frau kennen gelernt habe, war sie verheiratet und mir war völlig klar, dass sie zu ihrer Familie gehört und wir kein Liebespaar werden. Später hat sich dann gezeigt, dass sie das anders sah. Sie hat sich getrennt, sie war dann frei für eine neue Beziehung und ich hatte meinen neuen Weg bereits eingeschlagen. Es passte dann alles zusammen.

Hm, nun ist das ein kleiner Roman im Strang eines anderen Users geworden. Ob das beim Lesen alles Sinn macht, kann ich nicht sagen. Ist spät geworden und eigentlich denke ich, es bedarf einer sehr viel reflektierteren Erklärung. Die kann ich aber jetzt nicht mehr liefern. Ich hoffe, es reicht erst mal so.


Liebe Grüße
und gute Nacht
vom Ruhrpottler
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Wenn einer zu sehr liebt!?!
Im moment schleicht sich immer öfter das Gefühl in mir hoch, dass ich vielleicht zu sehr *Liebe* Wie macht sich das Bemerkbar?!? Eine tiefe Traurigkeit nach dem ... zum kompletten Beitrag
Twingoline 26.11.2017, 20:58
   
Fen 27.11.2017, 08:53
   
vriendin 27.11.2017, 19:45
   
Ruhrpottler 07.12.2017, 17:04
   
Besucher 08.12.2017, 19:36
   
Re:Wenn einer zu sehr liebt!?!
Ruhrpottler 09.12.2017, 01:40
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