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Myri
Wieso?
Wieso?
Hallo liebes Forum,
auf den ersten Blick habe ich hier vielleicht gar nichts zu suchen, denn ich bin lesbisch und darüber bin ich mir auch schon seit vielen Jahren sehr sicher!
Nun hat sich für mich aber eine Situation ergeben, in der ich mir gern ein wenig Rat von Menschen holen möchte, die mehr über das bisexuelle Leben und Lieben wissen als ich. Ich versuche mal, das Thema zu skizzieren:
Ich (33) bin schon länger in einer Online-Frauen-Community (Shoe.org) angemeldet, weil ich kaum homosexuelle Freundinnen habe, mit denen ich mich austauschen kann. Hinzu kommt, dass ich seit 8,5 Jahren in einer Beziehung mit meiner Freundin lebe und mich sehr auf sie als zentrale Person eingeschossen hatte. Deswegen war es gut, mich auf dieser Seite anzumelden, weil ich dort einige liebe Menschen kennengelernt habe. Leider wohnen sie weiter weg, aber das ist für mich erst einmal zweitrangig. Wichtig ist vielleicht noch zu wissen, dass meine Freundin das alles weiß und auch vollkommen ok findet. Ich habe das Thema Freunde eben in den letzten Jahren stark vernachlässigt und das ist für mich ein Weg, mich wieder etwas mehr anderen Menschen zuzuwenden.
Nun habe ich vor einigen Wochen im Chat durch Zufall eine bisexuelle Frau kennengelernt. Sie (29) hat seit gut einem Jahr einen Freund, hatte aber auch schon eine feste Beziehung mit einer Frau. Wir haben uns schnell sehr vertraut unterhalten (kenne ich gar nicht von mir), weil von Anfang an eine gewisse Vertrautheit vorhanden war. Sie erzählte mir u.a., dass sie beim Sex mit ihrem Freund an eine Frau denkt, dass ihr die Zärtlichkeit einer Frau fehlt, aber auch ganz allgemein der Austausch, Zeit miteinander verbringen, zusammen lachen etc. Ich will nicht leugnen, dass unsere Unterhaltungen gelegentlich einen leicht erotischen Unterton hatten (wobei wir nie so etwas wie Online-Sex oder ähnliches betrieben haben und auch nicht über Praktiken etc. gesprochen haben). Ich habe gemerkt, dass sie eine große Sehnsucht in sich trägt, mit der sie offenbar nicht umgehen kann. Im Grunde haben wir viermal (stundenlang) gechattet und irgendwie hat sich zwischen uns ein Gefühl entwickelt, das ich nicht recht einordnen kann. Ich habe das überhaupt nicht forciert, aber ich habe gemerkt, dass von ihrer Seite aus ein wirklich großes Interesse an mir bestand – menschlich, aber wohl auch sexuell. Ich habe versucht, ihr klarzumachen, dass sie sich im echten Leben wahrscheinlich nicht einmal nach mir umdrehen würde. Aber das ließ sie nicht gelten. Nun fühlt man sich ja auch geschmeichelt durch so etwas – vor allem, wenn man schon lange „weg vom Markt ist“.
Ich gebe offen zu, ich habe mich auf dieses Gefühl ein wenig eingelassen, auch wenn ich ganz klar sage, dass ich meine Freundin nicht betrügen werde. Aber es hat mir auch ganz klar gezeigt, dass etwas in meiner Beziehung nicht stimmt. Wir haben schon länger keinen Sex mehr, was aber für uns beide nie ein Problem darstellte, aber nun ist es, als entdeckte ich – auch durch diese (virtuelle) Begegnung – mein eigentliches Ich wieder, dass ich lange vergessen hatte. Inzwischen quäle ich mich auch mit dem Gedanken herum, ob ich für meine Freundin vielleicht nur noch eine sehr tiefe platonische Liebe empfinde. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich das wohl nur herausfinden werde, wenn ich schaue, wie weit ich mit anderen gehen kann. Denn außer dass ich meine Frau sexuell nicht mehr begehre, kann ich mir keine bessere Lebenspartnerin vorstellen als sie. Und ich werfe nicht aus verwirrenden Überlegungen heraus eine so lange wertvolle Beziehung weg und tue dem Menschen, der mir am wichtigsten ist, so furchtbar weh. Ich muss sicher sein, bevor ich den Schritt gehe.
So, was hat das eine nun mit dem anderen zu tun, fragt Ihr Euch. Es ist so: Nachdem ich mit der Bi-Frau fast eine ganze Nacht durchgechattet hatte (das tue ich auch mal mit ganz „normalen“ Freunden) und sie sich eigentlich am gleichen Tag wieder melden wollte, war plötzlich Funkstille. Ich muss gestehen, ich habe das Ganze bis dato eigentlich nicht sooo ernst genommen, eher als Flirterei mit einem wirklich sehr intelligenten, interessanten Menschen, mit dem man einfach sehr gute Gespräche führen konnte. Aber dann meldete sie sich nicht. Es vergingen mehr als zwei Tage, ich fühlte mich grauenhaft. Dann bekam ich eine eigenartig förmliche Mail von ihr. Darin sagte sie, dass sie den Kontakt mit mir nicht weiter führen wolle, weil sie sich auf ihre Beziehung konzentrieren wolle und es ihr nicht gut tue, mit mir diesen intensiven Kontakt zu haben, auch wenn es sich sehr gut angefühlt habe.
Ich muss sagen, diese Mail hat mich schwer getroffen. Nicht, weil ich plötzlich nichts mehr „zum Flirten“ hatte, sondern weil mir der Mensch wirklich etwas bedeutete. Ich habe wie gesagt schon viele Menschen im Chat getroffen und schon tolle Unterhaltungen geführt. Bei ganz wenigen hat sich ein freundschaftlicher Kontakt entwickelt, den ich nicht missen will. Aber an die Unterhaltungen mit ihr kommt einfach nichts heran. Es sind diese Gemeinsamkeiten, aber auch die spannenden Unterschiede, die mich so faszinieren, ihr Intellekt, ihr Humor. Es passte einfach. Und da stand ich nun und wusste gar nicht, was eigentlich los war. Ich schrieb ihr zweimal zurück, spekulierte, dass sie wohl wegen mir in einem Gefühlschaos steckte, das sie durch den Abbruch des Kontakts zu vergessen/verdrängen versuchte. Machte ihr das Angebot, mit ihr über diese schwierige Situation als Bi-Frau zu sprechen usw. Eine Woche passierte nichts. Sie war wie von Erdboden verschluckt, meldete sich nicht mehr in der Community an und auch sonst nicht. Von einigen, denen ich davon erzählte, wurde der Verdacht geäußert, dass das alles nur ein Spiel einer „verklemmten Hete“ gewesen sei, die einfach mal schauen wollte, wie weit das geht und nun kalte Füße bekommen hat. Kurzzeitig dachte ich das auch. Aber ich glaube nicht mehr so recht daran, allein schon deswegen, weil sie schon seit 2007 in dieser Community ist. Außerdem war ja „sexuell“ gar nichts passiert, sie hätte dieses Spiel also noch eine ganze Weile weiterspielen können.
Wie auch immer. Nach einer Woche unternahm ich einen letzten Versuch und schrieb ihr eine letzte, lange Mail. Ich kann jetzt nicht alles wiedergeben, was ich geschrieben habe, aber ich versuchte ihr klarzumachen, dass auch ich unter der Situation, dass sie einfach so verschwindet, leide und dass ich der Meinung bin, dass es Wege gibt, wie wir trotzdem Kontakt miteinander haben können usw. Es war eine sehr emotionale Mail. Und sie zeigte Wirkung. Einen Tag später schrieb sie mir, dass ich sie sehr berührt hätte und entschuldigte sich für die egoistische „Notbremse“. Es sei tatsächlich so, dass ihr diese Gefühle so große Angst gemacht hätten, dass sie ihre Beziehung gefährdet sehe, wenn sie diese wirklich zulassen würde. Wir haben dann am gleichen Tag noch kurz gechattet (sie musste eigentlich weg) und sie hat mir versprochen, mir nächste Woche in Ruhe alles zu erklären.
Nun bin ich irgendwie zwischen Hoffen und Bangen. Ich fürchte mich davor, dass sie sich dann – diesmal mit Anstand – verabschieden will, andererseits habe ich während unserer kurzen Unterhaltung auch gemerkt, dass sie sehr wohl Interesse an einer alternativen Lösung hat. Jetzt zerbreche ich mir schon die ganze Zeit den Kopf, wie es trotz all der Umstände einen Kontakt zwischen uns geben kann. Ich denke einfach, dass es – zumindest für mich, weil ich draußen selten tolle Menschen kennenlerne – einfach grob fahrlässig wäre, so einen Menschen einfach gehen zu lassen. Ich will gar nicht von sowas wie Seelenverwandtschaft sprechen, weil ich an so etwas eigentlich nicht glaube, aber irgendwie fühlt es sich ein bisschen so an, auch wenn mir sehr wohl bewusst ist, dass ich sie eigentlich nicht kenne! Sprich: Ich möchte sie zu diesem Zeitpunkt gern in meinem Leben haben. Das Sexuelle mag seinen Reiz haben, spielt aber für mich eine untergeordnete Rolle. Ich bin immer noch ziemlich überzeugt davon, dass man sich in sowas im Netz sehr schnell hineinsteigern kann und dass es in der Realität oft ganz anders ausschaut. Deswegen würde ich gern das Ganze schnell aus der Virtualität holen, um einfach zu sehen, was eigentlich hinter diesen Gefühlen steckt. Und ich hoffe, dass dann der Weg für eine Freundschaft frei wird. Die Frage ist aber: Will sie das überhaupt? Oder ist sie tatsächlich hauptsächlich sexuell an mir interessiert und nicht als Mensch? Ich weiß, dass es riskant ist. Natürlich könnte ich mich verlieben oder sie sich in mich oder wir beide ineinander. Aber das wird man alles niemals herausfinden, wenn man es einfach von vorneherein sein lässt.
Ich kann eben überhaupt nicht einschätzen, welche Möglichkeiten es in dieser Konstellation von sexuellen Orientierungen überhaupt gibt, weil ich mich bisher kaum mit Bisexualität beschäftigt habe. Ich gehöre nicht zu den Lesben, die Bi-Frauen als „Feinde“ oder „Verräter“ ansehen. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass das Ganze unheimlich schwierig werden kann, wenn man nicht ein extrem liberales Umfeld hat. Sie arbeitet in einer sehr konservativen, seriösen Branche. Ich habe keine Ahnung, inwiefern sie sich gegenüber wem geoutet hat. Ich weiß nur, dass ihr Freund es nicht weiß. Und sie sagte auch einmal, dass sie ihm es bisher nicht gesagt hat, weil sie sich selten sehen und sie sich noch nicht ganz sicher ist, ob es hält (sie liebe ihn aber). Außerdem würde sie sich leichter damit tun, wenn sie einfach sagen könnte, dass sie derzeit keine Frau begehrt. Aber dem sei ja nicht so. Sie sagte auch, dass sie sich neben der Beziehung eine Frau an ihrer Seite wünschen würde, aber dass ihr klar sei, dass das kaum nicht ginge, weil sie z.B. Sex mit einer Frau auch als Betrug ansehen würde.
Ich glaube, sie ist extrem durcheinander. Ich würde ihr so gern helfen, ihr Halt geben, Möglichkeiten aufzeigen. Dass ich dabei auf der Strecke bleiben kann, ist mir klar. Aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass diese Frau gerade jetzt in meiner Situation nicht umsonst in mein Leben getreten ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jemals ein Paar werden oder so was. Aber vielleicht ist es auch für mich eine Chance, mein Leben und das, was ich will, klarer zu sehen und dann auch eine Entscheidung für oder gegen meine Beziehung zu treffen. Ich weiß, das ist alles hochkompliziert und vieles ist spekulativ, weil das „klärende Gespräch“ ja auch noch aussteht. Aber ich hätte gern von Euch eine Einschätzung. Soll ich sie wirklich ziehen lassen? Oder soll ich versuchen, sie davon zu überzeugen, dass es für uns Möglichkeiten eines Kontaktes gibt, wenn wir es nur versuchen? Bin ich dem Ganzen gewachsen oder überschätze ich mich? Ich würde es so gern versuchen, mit ihr eine Freundschaft aufzubauen.
Danke für Eure Antworten und fürs Lesen dieses langen und teilweise wirren Beitrags.
LG kamo
auf den ersten Blick habe ich hier vielleicht gar nichts zu suchen, denn ich bin lesbisch und darüber bin ich mir auch schon seit vielen Jahren sehr sicher!
Ich (33) bin schon länger in einer Online-Frauen-Community (Shoe.org) angemeldet, weil ich kaum homosexuelle Freundinnen habe, mit denen ich mich austauschen kann. Hinzu kommt, dass ich seit 8,5 Jahren in einer Beziehung mit meiner Freundin lebe und mich sehr auf sie als zentrale Person eingeschossen hatte. Deswegen war es gut, mich auf dieser Seite anzumelden, weil ich dort einige liebe Menschen kennengelernt habe. Leider wohnen sie weiter weg, aber das ist für mich erst einmal zweitrangig. Wichtig ist vielleicht noch zu wissen, dass meine Freundin das alles weiß und auch vollkommen ok findet. Ich habe das Thema Freunde eben in den letzten Jahren stark vernachlässigt und das ist für mich ein Weg, mich wieder etwas mehr anderen Menschen zuzuwenden.
Nun habe ich vor einigen Wochen im Chat durch Zufall eine bisexuelle Frau kennengelernt. Sie (29) hat seit gut einem Jahr einen Freund, hatte aber auch schon eine feste Beziehung mit einer Frau. Wir haben uns schnell sehr vertraut unterhalten (kenne ich gar nicht von mir), weil von Anfang an eine gewisse Vertrautheit vorhanden war. Sie erzählte mir u.a., dass sie beim Sex mit ihrem Freund an eine Frau denkt, dass ihr die Zärtlichkeit einer Frau fehlt, aber auch ganz allgemein der Austausch, Zeit miteinander verbringen, zusammen lachen etc. Ich will nicht leugnen, dass unsere Unterhaltungen gelegentlich einen leicht erotischen Unterton hatten (wobei wir nie so etwas wie Online-Sex oder ähnliches betrieben haben und auch nicht über Praktiken etc. gesprochen haben). Ich habe gemerkt, dass sie eine große Sehnsucht in sich trägt, mit der sie offenbar nicht umgehen kann. Im Grunde haben wir viermal (stundenlang) gechattet und irgendwie hat sich zwischen uns ein Gefühl entwickelt, das ich nicht recht einordnen kann. Ich habe das überhaupt nicht forciert, aber ich habe gemerkt, dass von ihrer Seite aus ein wirklich großes Interesse an mir bestand – menschlich, aber wohl auch sexuell. Ich habe versucht, ihr klarzumachen, dass sie sich im echten Leben wahrscheinlich nicht einmal nach mir umdrehen würde. Aber das ließ sie nicht gelten. Nun fühlt man sich ja auch geschmeichelt durch so etwas – vor allem, wenn man schon lange „weg vom Markt ist“.
Ich gebe offen zu, ich habe mich auf dieses Gefühl ein wenig eingelassen, auch wenn ich ganz klar sage, dass ich meine Freundin nicht betrügen werde. Aber es hat mir auch ganz klar gezeigt, dass etwas in meiner Beziehung nicht stimmt. Wir haben schon länger keinen Sex mehr, was aber für uns beide nie ein Problem darstellte, aber nun ist es, als entdeckte ich – auch durch diese (virtuelle) Begegnung – mein eigentliches Ich wieder, dass ich lange vergessen hatte. Inzwischen quäle ich mich auch mit dem Gedanken herum, ob ich für meine Freundin vielleicht nur noch eine sehr tiefe platonische Liebe empfinde. Ich bin jedoch der Meinung, dass ich das wohl nur herausfinden werde, wenn ich schaue, wie weit ich mit anderen gehen kann. Denn außer dass ich meine Frau sexuell nicht mehr begehre, kann ich mir keine bessere Lebenspartnerin vorstellen als sie. Und ich werfe nicht aus verwirrenden Überlegungen heraus eine so lange wertvolle Beziehung weg und tue dem Menschen, der mir am wichtigsten ist, so furchtbar weh. Ich muss sicher sein, bevor ich den Schritt gehe.
So, was hat das eine nun mit dem anderen zu tun, fragt Ihr Euch. Es ist so: Nachdem ich mit der Bi-Frau fast eine ganze Nacht durchgechattet hatte (das tue ich auch mal mit ganz „normalen“ Freunden) und sie sich eigentlich am gleichen Tag wieder melden wollte, war plötzlich Funkstille. Ich muss gestehen, ich habe das Ganze bis dato eigentlich nicht sooo ernst genommen, eher als Flirterei mit einem wirklich sehr intelligenten, interessanten Menschen, mit dem man einfach sehr gute Gespräche führen konnte. Aber dann meldete sie sich nicht. Es vergingen mehr als zwei Tage, ich fühlte mich grauenhaft. Dann bekam ich eine eigenartig förmliche Mail von ihr. Darin sagte sie, dass sie den Kontakt mit mir nicht weiter führen wolle, weil sie sich auf ihre Beziehung konzentrieren wolle und es ihr nicht gut tue, mit mir diesen intensiven Kontakt zu haben, auch wenn es sich sehr gut angefühlt habe.
Ich muss sagen, diese Mail hat mich schwer getroffen. Nicht, weil ich plötzlich nichts mehr „zum Flirten“ hatte, sondern weil mir der Mensch wirklich etwas bedeutete. Ich habe wie gesagt schon viele Menschen im Chat getroffen und schon tolle Unterhaltungen geführt. Bei ganz wenigen hat sich ein freundschaftlicher Kontakt entwickelt, den ich nicht missen will. Aber an die Unterhaltungen mit ihr kommt einfach nichts heran. Es sind diese Gemeinsamkeiten, aber auch die spannenden Unterschiede, die mich so faszinieren, ihr Intellekt, ihr Humor. Es passte einfach. Und da stand ich nun und wusste gar nicht, was eigentlich los war. Ich schrieb ihr zweimal zurück, spekulierte, dass sie wohl wegen mir in einem Gefühlschaos steckte, das sie durch den Abbruch des Kontakts zu vergessen/verdrängen versuchte. Machte ihr das Angebot, mit ihr über diese schwierige Situation als Bi-Frau zu sprechen usw. Eine Woche passierte nichts. Sie war wie von Erdboden verschluckt, meldete sich nicht mehr in der Community an und auch sonst nicht. Von einigen, denen ich davon erzählte, wurde der Verdacht geäußert, dass das alles nur ein Spiel einer „verklemmten Hete“ gewesen sei, die einfach mal schauen wollte, wie weit das geht und nun kalte Füße bekommen hat. Kurzzeitig dachte ich das auch. Aber ich glaube nicht mehr so recht daran, allein schon deswegen, weil sie schon seit 2007 in dieser Community ist. Außerdem war ja „sexuell“ gar nichts passiert, sie hätte dieses Spiel also noch eine ganze Weile weiterspielen können.
Wie auch immer. Nach einer Woche unternahm ich einen letzten Versuch und schrieb ihr eine letzte, lange Mail. Ich kann jetzt nicht alles wiedergeben, was ich geschrieben habe, aber ich versuchte ihr klarzumachen, dass auch ich unter der Situation, dass sie einfach so verschwindet, leide und dass ich der Meinung bin, dass es Wege gibt, wie wir trotzdem Kontakt miteinander haben können usw. Es war eine sehr emotionale Mail. Und sie zeigte Wirkung. Einen Tag später schrieb sie mir, dass ich sie sehr berührt hätte und entschuldigte sich für die egoistische „Notbremse“. Es sei tatsächlich so, dass ihr diese Gefühle so große Angst gemacht hätten, dass sie ihre Beziehung gefährdet sehe, wenn sie diese wirklich zulassen würde. Wir haben dann am gleichen Tag noch kurz gechattet (sie musste eigentlich weg) und sie hat mir versprochen, mir nächste Woche in Ruhe alles zu erklären.
Nun bin ich irgendwie zwischen Hoffen und Bangen. Ich fürchte mich davor, dass sie sich dann – diesmal mit Anstand – verabschieden will, andererseits habe ich während unserer kurzen Unterhaltung auch gemerkt, dass sie sehr wohl Interesse an einer alternativen Lösung hat. Jetzt zerbreche ich mir schon die ganze Zeit den Kopf, wie es trotz all der Umstände einen Kontakt zwischen uns geben kann. Ich denke einfach, dass es – zumindest für mich, weil ich draußen selten tolle Menschen kennenlerne – einfach grob fahrlässig wäre, so einen Menschen einfach gehen zu lassen. Ich will gar nicht von sowas wie Seelenverwandtschaft sprechen, weil ich an so etwas eigentlich nicht glaube, aber irgendwie fühlt es sich ein bisschen so an, auch wenn mir sehr wohl bewusst ist, dass ich sie eigentlich nicht kenne! Sprich: Ich möchte sie zu diesem Zeitpunkt gern in meinem Leben haben. Das Sexuelle mag seinen Reiz haben, spielt aber für mich eine untergeordnete Rolle. Ich bin immer noch ziemlich überzeugt davon, dass man sich in sowas im Netz sehr schnell hineinsteigern kann und dass es in der Realität oft ganz anders ausschaut. Deswegen würde ich gern das Ganze schnell aus der Virtualität holen, um einfach zu sehen, was eigentlich hinter diesen Gefühlen steckt. Und ich hoffe, dass dann der Weg für eine Freundschaft frei wird. Die Frage ist aber: Will sie das überhaupt? Oder ist sie tatsächlich hauptsächlich sexuell an mir interessiert und nicht als Mensch? Ich weiß, dass es riskant ist. Natürlich könnte ich mich verlieben oder sie sich in mich oder wir beide ineinander. Aber das wird man alles niemals herausfinden, wenn man es einfach von vorneherein sein lässt.
Ich kann eben überhaupt nicht einschätzen, welche Möglichkeiten es in dieser Konstellation von sexuellen Orientierungen überhaupt gibt, weil ich mich bisher kaum mit Bisexualität beschäftigt habe. Ich gehöre nicht zu den Lesben, die Bi-Frauen als „Feinde“ oder „Verräter“ ansehen. Mittlerweile bin ich sogar der Meinung, dass das Ganze unheimlich schwierig werden kann, wenn man nicht ein extrem liberales Umfeld hat. Sie arbeitet in einer sehr konservativen, seriösen Branche. Ich habe keine Ahnung, inwiefern sie sich gegenüber wem geoutet hat. Ich weiß nur, dass ihr Freund es nicht weiß. Und sie sagte auch einmal, dass sie ihm es bisher nicht gesagt hat, weil sie sich selten sehen und sie sich noch nicht ganz sicher ist, ob es hält (sie liebe ihn aber). Außerdem würde sie sich leichter damit tun, wenn sie einfach sagen könnte, dass sie derzeit keine Frau begehrt. Aber dem sei ja nicht so. Sie sagte auch, dass sie sich neben der Beziehung eine Frau an ihrer Seite wünschen würde, aber dass ihr klar sei, dass das kaum nicht ginge, weil sie z.B. Sex mit einer Frau auch als Betrug ansehen würde.
Ich glaube, sie ist extrem durcheinander. Ich würde ihr so gern helfen, ihr Halt geben, Möglichkeiten aufzeigen. Dass ich dabei auf der Strecke bleiben kann, ist mir klar. Aber irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass diese Frau gerade jetzt in meiner Situation nicht umsonst in mein Leben getreten ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir jemals ein Paar werden oder so was. Aber vielleicht ist es auch für mich eine Chance, mein Leben und das, was ich will, klarer zu sehen und dann auch eine Entscheidung für oder gegen meine Beziehung zu treffen. Ich weiß, das ist alles hochkompliziert und vieles ist spekulativ, weil das „klärende Gespräch“ ja auch noch aussteht. Aber ich hätte gern von Euch eine Einschätzung. Soll ich sie wirklich ziehen lassen? Oder soll ich versuchen, sie davon zu überzeugen, dass es für uns Möglichkeiten eines Kontaktes gibt, wenn wir es nur versuchen? Bin ich dem Ganzen gewachsen oder überschätze ich mich? Ich würde es so gern versuchen, mit ihr eine Freundschaft aufzubauen.
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Myri, 20.08.2013, 01:27
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