Hallo ihr alle - Ich stelle mich mal vor
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Hallo ihr alle - Ich stelle mich mal vor

Hallo Leute,
ich bin neu hier, wollte mich mal vorstellen und mir etwas von der Seele schreiben. Ich habe letztes Wochenende, also vor nicht mal einer Woche festgestellt bzw. mir eingestanden, dass ich bi bin. Um kurz die Vorgeschichte zusammenzufassen: 29 Jahre meines Lebens verstand ich mich als hetera, hatte nur Beziehungen zu Männern und lediglich einen Dreier mit einer Frau und einem Mann, den ich aber schnell verdrängt hatte. Ich war mir relativ sicher, eine Hetero-Frau mit Bi-Interesse zu sein, immerhin nichts Außergewöhnliches bei Frauen. Vor 2 Jahren trennte sich mein Verlobter von mir und ich begann ein neues Kapitel in meinem Leben: Neue Stadt, neue Freunde, komplett neues Umfeld. Nur mit den Männern klappte es nicht mehr und dies führte zu extremem Frust, der mich psychisch belastete. Ich fühlte mich in meiner Haut nicht mehr wohl und empfand Hassgedanken gegenüber mir selbst, nachdem ich mit einem Mann intim geworden war. Es klappte einfach nicht mehr und ich ekelte mich sogar vor Männern. Die Schlussfolgerung, die ich vor ca 9 Monaten zog war: Ich bin lesbisch. Also trat ich in Kontakt zu der gay community, fühlte mich dort verstanden, hatte meine erste Freundin und interessierte mich seitdem nicht mehr im Geringsten für Männer. Ich outete mich bei meinem gesamten Umfeld als lesbisch. Die Leute nahmen es gelassen auf und ich war extrem erleichtert. Um auf den Punkt zu kommen: Am Wochenende ging ich mit ein paar Freunden aus und nahm einen jungen Mann, den ich sporadisch kannte, mit. Ich hatte mir nichts großartiges dabei gedacht, denn ich wollte mir auf der Party die Frauen angucken. Als wir in der Gruppe tanzten fiel mir auf, dass ich mich überhaupt nicht für die Frauen um mich herum interessierte und ich dachte mir so nebenbei scherzhaft „Ist heute Heterotag oder wie?“ Ich merkte, dass besagter Mann in unmittelbarer Nähe von mir tanzte und es mich nicht störte. Ich hatte das Bedürfnis, ihn zu berühren, tat es aber nicht. Irgendwann kam er immer näher und plötzlich überkam mich Panik und das Gefühl, dass ich ausrasten würde, wenn er mir näher kommen würde. Ich meinte, dass ich ein Bier brauchte, nahm meinen besten Freund zur Seite und schilderte diesem mein Problem. Er meinte zu mir, dass ich einen Fehler gemacht hätte, mich als lesbisch zu outen, dass er glaubte, ich sei bi und, dass ich momentan ein Problem mit Männern hätte, das ich mal lösen sollte. Ich sollte alles auf mich zukommen lassen und einfach mal ausprobieren, wie es sich mit dem Mann anfühlt.
Ich nahm mir die Worte zu Herzen. Er hatte Recht. Mein Ex hatte mich nach der Trennung mit Füßen getreten und das war der Grund, weshalb ich mich ganz massiv emotional von Männern distanziert hatte. Ich denke man könnte das als totale Blockade bezeichnen. Ich ging nur noch selten aus, da ich mich von Männern bedrängt fühlte, sobald diese zu nah an mich heran tanzten, ich wurde dann aggressiv und es nervte mich. Bei Frauen war genau das Gegenteil der Fall. Ich spürte eine totale Anziehung und war überfordert mit dem was da aus mir herausgebrochen war.
Ich kam dem jungen Mann näher und merkte, dass ich nicht panisch wurde und es mir gefiel, ihn zu küssen. Es war nichts Besonderes, aber ok. 2 Tage später waren wir in einem Café verabredet und plötzlich spürte ich eine extreme Anziehung, die ich seit 6 Jahren bei einem Mann nicht mehr gespürt hatte. Ich wollte ihm sofort die Kleider vom Leib reißen und konnte die Finger nicht von ihm lassen. Als es uns beiden etwas peinlich wurde und die Leute im Café schon guckten, gingen wir zu mir nach Hause, betasteten uns intensiv, ohne die Kleidung auszuziehen. Es war ein total tolles Erlebnis für mich und auch das Küssen hat mich dermaßen umgehauen, dass ich noch immer davon schwärme. Allerdings konnte ich ihn nicht so richtig ansehen und als er mich so lieb anblickte da realisierte ich „Verdammt, das ist keine Frau.“ Das war irgendwie ein Schockerlebnis und ich machte wieder ein bisschen dicht. Ich hatte mich bis dahin als Lesbe gesehen und das Hetero-Modell ist mir total fremd geworden, ich konnte mich nicht mehr damit identifizieren. Nachdem jetzt ein paar Tage verstrichen sind und ich Zeit zum Nachdenken hatte, ist die Panik wieder verflogen. Ich denke, dass ich diese Blockade, die ich Männern gegenüber aufgebaut hatte, aufgebrochen habe. Möglicherweise habe ich mich auch verliebt. Auf jeden Fall spüre ich ein starkes sexuelles Verlangen nach ihm und gleichzeitig ist das Verlangen nach Frauen noch genauso präsent wie in meiner Lesbenphase. Das überfordert mich total und ich bin mir gerade nicht sicher, welches Beziehungsmodell ich anstreben soll. Ich kann mir nicht vorstellen, monogam zu leben, obwohl ich früher der monogamste Mensch auf der Welt war. Ich hatte jedoch auch meist das Gefühl, dass mir in meinen Beziehungen etwas fehlt und konnte das nicht einordnen, es hat jedoch immer zu Frust meinerseits geführt. Ich hörte mich immer laut denken „Soll das schon alles gewesen sein.“ Der junge Mann hat wieder die Leidenschaft zu Männern in mir entfacht und ich bin unendlich dankbar dafür. Trotzdem stehe ich in einem Gewissenskonflikt, da ich die Lust zu Frauen nicht abschalten kann und ich mich ernsthaft frage, wie eine eventuelle Beziehung aussehen kann, ohne den Partner zu verletzen. Letztendlich fühle ich mich befreit, weil ich die letzten 9 Monate den Heteroanteil in mir und 29 Jahre meines Lebens den Homoanteil in mir unterdrückt hatte. Ich fühle mich befreit und gut in meiner Haut, obwohl es vor ein paar Monaten noch die absolute Katastrophe für mich war, bisexuell zu sein. Jetzt hab ich es akzeptiert und sehe es positiv.
So, das ist das Wichtigste grob zusammengefasst. Für Tipps und Anregungen bin ich dankbar. Bin noch etwas verwirrt. Ich bin froh, auf dieses Forum gestoßen zu sein.
Liebste Grüße
Katha
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  1. Hallo ihr alle - Ich stelle mich mal vor
    Besucher_in, 24.11.2012, 00:03
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    4. Besucher_in, 24.11.2012, 23:42
    5. EinzigEine, 27.11.2012, 19:04
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