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Re:Meine probleme
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Re:Meine probleme
Beitrag geschrieben von regulator am 02.07.2017, 23:15 Uhr
von  regulator
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Hallo Rodirik,

auch wenn diese Diskussion schon relativ weit fortgeschritten ist, möchte ich dir auch einfach noch ein bisschen was erzählen. Ich kann dein Gefühl wirklich sehr gut nachvollziehen. Auch ich bin selbst in einer depressiven Phase und kenne daher diese Gedanken, die dir einen grauen Schleier vor die Augen legen. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass (wie einige meiner Vorredner auch gesagt haben) es enorm wichtig ist, mit Menschen zu reden. Ich sehe es als mein größtes Glück an, dass ich meiner besten Freundin sogar von meinen tiefsten Ängsten erzählen kann.

Das Gefühl, dass das Leben sinnlos ist (oder dass du zumindest keinen Sinn entdeckst), ist auf jeden Fall sehr bedrückend. Das Problem ist, dass man sich damit oft allein fühlt. D.h. man kann sich eigentlich kaum vorstellen, dass noch jemand anders so einen Schmerz fühlen kann und in eine solche Krise gerät. Eine ganz wichtige Info an dieser Stelle ist aber die: Du bist wirklich nicht allein. Wie gesagt, ich selbst fühle mich im Moment auch ziemlich leer und frage mich mit meinen nun 23 Jahren, ob mein Leben so, wie ich es bisher gelebt habe, "richtig" war oder ob ich vielleicht viel mehr Dinge hätte tun sollen, die ich mich nicht getraut habe. Oder ob ich vielleicht einen anderen Weg hätte gehen sollen, was das Studium angeht? Keine Ahnung. Meine wichtigste Erfahrung ist aber die folgende: Nicht der Weg an sich ist das Problem. Es gibt nämlich nicht "den richtigen" Weg. D.h. wenn du Angst hast, was die Zukunft bringt (was ich im Übrigen sehr gut nachvollziehen kann), dann möchte ich dir einfach Mut machen: Es gibt viele gute Wege für dich. Und das Leben kann dir so unglaublich viele tolle Dinge zeigen: Tolle Menschen, Erlebnisse, Gerüche, Geschmäcker, Liebe, Musik etc. Egal, was du nun beruflich machst, es ist enorm wichtig, dass man seine Seele nicht bloß auf die berufliche Zukunft stützt. Freunde (und ich meine damit "echte" Freunde) sind für mich persönlich das aller wichtigste, was ein erfülltes Leben ausmacht. Und da ich so tolle Freunde habe, muss ich nicht fragen, ob es einen Sinn gibt, dass ich existiere. Ich nehme es hin und möchte nun aus meinem Leben das machen, was es mir an Möglichkeiten bietet.

Eine weitere Erkenntnis (die vielleicht etwas schmerzt) ist die: Du bist selbst dafür verantwortlich, wie du dein Leben wahrnimmst. Klar, niemand entscheidet sich freiwillig dafür, dass er depressiv, ängstlich oder traurig sein möchte. Ich selbst bin wie gesagt auch in einer depressiven Phase und kenne selbst auch diese Gedanken wie "Warum geht es ausgerechnet mir so? Welche höhere Macht hat mich dazu verdonnert, mich schlecht zu fühlen?" Aber wenn du es schaffst, zu dir selbst zu stehen und dich selbst genau so zu akzeptieren, wie du bist, dann wird dich keine höhere Macht dazu zwingen, weiter zu leiden.

Ich möchte dir als wichtigen Tipp noch mit auf den Weg geben, dass eine Psychotherapie enorm gut ist. Also ich spreche hier wieder von mir. Ich fühle mich super in meiner Therapie und es war die beste Entscheidung meines Lebens, sie anzufangen. Häufig hat man als Unwissender komische Vorstellungen von einer Psychotherapie. Aus Film und Fernsehen kennt man meist dieses Sofa, auf dem der "Patient" liegt und der Therapeut sitzt daneben mit strenger Miene und sagt z. B. irgendwas von wegen "Diagnose: Depression mittleren Grades. Ich vermute, Sie hatten eine schwere Kindheit. Ich empfehle die Einnahme des Medikaments XY. Zur weiteren Beobachtung sollten wir Sie in die geschlossene Anstalt einweisen." Ok, ich weiß, das ist ein übertriebenes Beispiel und ich weiß nicht, ob du tatsächlich auch so ein Bild von einer Therapie hast. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Nein, das ist in der Realität definitiv völlig anders. Eine Therapie ist ein Gespräch. Es ist eine menschliche Interaktion zwischen dir und dem Therapeuten und du sprichst darüber, was dich bedrückt - so wie du auch in dieses Forum geschrieben hast. Und dann versucht der Therapeut durch gezielte Fragen, den Ursachen für deine Gedanken auf den Grund zu gehen und dir einfach zu helfen, dich besser zu fühlen. Also ich weiß nicht, ob dich dieses ganze Geschwafel über Therapie eigentlich interessiert, aber ich möchte dir wie gesagt Mut machen, so eine Therapie anzufangen, wenn du möchtest. Es lohnt sich.

Hier möchte ich dir nun noch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wie ich in schwierigen Phasen weiterkomme: Obwohl ich mich in depressiven Phasen oft allein und antriebslos fühle, gehe ich ganz bewusst unter Menschen. Und zwar sogar noch häufiger als in normalen Zeiten. Denn man ist in depressiven Phasen meist ziemlich "in seiner eigenen Welt". Es tut einfach gut, wenn man das "Draußen" immer wieder vor Augen geführt bekommt, indem man mit anderen Menschen Kontakt hat. Ich bin in einer akuten depressiven Phase z.B. in einen Chor eingetreten. Und das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben. Was mir ebenfalls sehr viel weiterhilft, ist es, anderen Menschen zu helfen. Ich kann meinen Lebenssinn nämlich damit begründen, dass ich anderen helfe. Und mit "helfen" meine ich nicht unbedingt, dass ich jemandem den Rasen mähe oder die Hecke schneide (wobei so was natürlich auch geht). Ich meine hier vielmehr, dass ich anderen Menschen gerne das Gefühl gebe, dass ich für sie da bin. So komisch das klingt, aber wenn es mir schlecht geht, dann gehe ich oft umso mehr auf Menschen in meinem Umfeld zu, von denen ich weiß, dass es ihnen auch nicht so gut geht. Und indem ich ihnen zuhöre und ihnen das Gefühl gebe, dass sie nicht alleine sind, geht es ihnen besser. Und wenn ich dann sehe, dass es jemandem besser geht oder dass jemand etwas geschafft hat, weil ich meine Lebensenergie mit ihm geteilt habe, ist das ein unbeschreiblich positives Gefühl. Also, so blöd das klingt: Auch wenn es dir schlecht geht, geh unter Menschen und knüpfe neue Bekanntschaften. Vor allem das Treffen von neuen Menschen ist toll in Phasen der Sinnlosigkeit, weil du dann einfach nicht so in deinen eigenen Gedanken gefangen bist.

So, ich hoffe, ich habe dich und all die anderen Mit-Leser nicht überfordert mit meiner Monster-Nachricht. Ich möchte dir, lieber Rodirik, einfach viel Erfolg wünschen und dir Mut machen. Das Leben bietet viel mehr, als man es in Krisenphasen wahrnimmt. Und du hast schon einige wichtige Schritte in Richtung deiner Aufarbeitung getan. Alles, was ich hier geschrieben habe, ist meine persönliche Meinung. Vielleicht siehst du es ja auch ganz anders. Aber ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg.

Gruß
regulator
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Meine probleme
Dieser beitrag passt zwar nicht wirklich in dieses Forum ich weiss allerdings leider nicht wo ich sonst damit hingehen soll. Im Famillien und freundes kreis habe ich niemanden so ... zum kompletten Beitrag
Rodirik 23.04.2017, 23:44
   
Panthera 24.04.2017, 07:19
   
Fen 24.04.2017, 07:42
   
Thomas 24.04.2017, 12:53
   
Ruhrpottler 20.06.2017, 14:20
   
frato 20.06.2017, 15:09
   
Mathilda 21.06.2017, 23:28
   
frato 22.06.2017, 11:05
   
Lilith 30.04.2017, 18:37
   
Panthera 01.05.2017, 15:07
   
Rodirik 18.06.2017, 02:29
   
Re:Meine probleme
regulator 02.07.2017, 23:15
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