Bi- Forum
Re:Intersexualität
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Beitrag geschrieben von Panthera am 07.06.2017, 10:13 Uhr
von  Panthera
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Ein interessantes Thema!

Ich war glaube ich noch im Kindergarten als ich zum ersten Mal erfahren habe, dass es "Zwitter" -so nannte man das damals halt noch und ein Kind versteht das wahrscheinlich eher als den Begriff "intersexuell"- gibt. Für mich war es damals nicht besonders ungewöhnlich und wenn ich heute einen Intersexuellen im Bekanntenkreis hätte, würde ich ihn nicht anders behandeln als meine weiblichen oder männlichen Bekannten.

Richtig interessiert hat mich das Thema erst später als das Thema mal in einer Fernsehserie angeschnitten wurde. Da ging es um eine Person, die rein äußerlich weiblich war, genetisch aber männlich. Komplette Androgenresistenz war die Ursache dafür; in der Embryonalentwicklung werden zwar die Hoden angelegt, die Rezeptoren von Testosteron erkennen dieses jedoch nicht und daher wird in der weiteren Entwicklung auf das "Basisprogramm" umgeschaltet, also weiblich. Mich hat das ganze ziemlich stark interessiert und ich habe mich gefragt, wie sich Betroffene fühlen müssen. Ich bin dann auch auf ein Selbsthilfeforum gestoßen, in dem manche Betroffene davon berichten, dass sie sich trotzdem als Frau identifizieren, während andere sich mit keinem der gängigen Geschlechter identifizieren können und den Begriff intersexuell bevorzugen. Wieder andere sehen sich zwar als Frauen, leiden aber darunter, nicht "vollständig" zu sein, da sie nie Kinder werden bekommen können, zumindest auf biologischem Weg.
Im letzten Semester bin ich wieder auf das Thema gestoßen im Rahmen der Genetik-Vorlesung. Dort bin ich dann auf weitere Beispiele für so genannte XY-Frauen und XX-Männer gestoßen.

Ich finde es schade, dass in der Medizin dieses Thema lange Zeit behandelt wurde, als müsse man alles, was nicht dort hin gehört, weg schneiden und Betroffene wurden damit womöglich schon im Kleinkindalter in ein Geschlecht gedrängt, dem sie sich womöglich gar nicht zugehörig fühlen. Als jemand, der sich schon immer eindeutig männlich gefühlt hat und auch äußerlich als solcher erscheint, kann ich mir selbstverständlich nicht einmal ansatzweise vorstellen, was in einem vorgeht, wenn man später erfährt, was man eigentlich ist. Ich denke mir, dass Intersexuelle einfach das Recht haben müssen, selbst zu entscheiden, wie man medizinisch damit umgehen soll. Mag sein, dass es einige Betroffene gibt, die sich durchaus einem bestimmten Geschlecht zugehörig fühlen und sich daher einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Das ist auch völlig in Ordnung, aber es wäre dann eben ihre eigene Entscheidung. Genauso sollte es aber auch akzeptiert werden, wenn ein solcher Mensch sich anders entscheidet und ein selbstbestimmtes Leben abseits der gewöhnlichen Zwei-Geschlechter-Gesellschaft führen möchte. Hält das unser soziales Umfeld echt nicht aus, wenn es neben Mann und Frau noch etwas Anderes gibt?

Zum Glück gibt es schon heute ein Umdenken, zumindest in Ansätzen. Soweit ich weiß, gibt es immer mehr Eltern, die sich bewusst dazu entscheiden, nicht sofort ihr Kind in ein bestimmtes Geschlecht zu drängen. Auch wenn nach meiner Ansicht sehr viel mehr in diese Richtung passieren muss.
Vor allem sollte der Berufsstand der Ärzte seine Meinung zu diesem Thema überdenken. Hat nicht jeder Mediziner einen Eid geleistet, dass man Kranken (obwohl ich den Begriff hier irgendwie unpassend finde) nicht schaden soll? Aber macht man nicht genau das, indem man einem Patienten das Recht nimmt, selbst entscheiden zu dürfen? Richtet man nicht womöglich viel größeren Schaden an, zwar nicht körperlich, dafür aber in der Seele?
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