Bi- Forum
Re:Finden der eigenen Identität
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Beitrag geschrieben von Leo am 04.09.2017, 22:05 Uhr
von  Leo
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Zitat regulator:
Um ganz ehrlich zu sein, bin ich etwas erstaunt darüber, dass fast jede Antwort auf meinen Beitrag in die Richtung geht, dass mein sexuelles Erwachen nicht mein eigentliches Problem sei. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich erlebe die meisten, die mir geschrieben haben, als Menschen, die ihre Identität bereits vollständig angenommen haben. Mir ist klar, dass jemand, der sich selbst mit seiner bisexuellen Gesinnung vollständig annimmt, vielleicht gar nicht nachvollziehen kann, wie schwer es für jemanden wie mich ist, der so große Angst davor hat.

Dann melde ich mich mal als jemand, der seine Identität noch nicht vollständig angenommen hat. Auch, weil ich deine Lage nachvollziehen kann. Ich denke, es erging mir ähnlich.

Vor ein paar Jahren hatte ich auch einen unglaublichen Hass auf mein Leben, auf meine Entscheidungen in der Vergangenheit und auf mich selbst. Ich wusste meine sexuellen Interessen nicht einzuordnen, hatte keine sexuellen Erfahrungen, keine Beziehung, keine echten Freunde und dazu ein miserables Selbstwertgefühl. (Das klingt jetzt ziemlich krass, merke ich gerade. Gibt aber eigentlich wenig daran zu beschönigen.)

Wie bin ich da herausgekommen? Über die letzten beiden Punkte. Warum hatte ich keine Freunde? Weil ich niemanden an mich herangelassen habe. Warum habe ich niemanden an mich herangelassen? Weil ich Leuten nicht vertraut habe. Warum habe ich den Leuten nicht vertraut? Weil ich mir selbst nicht vertraut habe - wie könnte ich da jemandem anderen vertrauen. Warum habe ich mir selbst nicht vertraut? Weil ich mich nicht gemocht habe. Und warum habe ich mich nicht gemocht? Weil ich so sein wollte, wie die anderen - also insbesondere weniger introvertiert. Mit Sexualität hatte das erst einmal gar nichts zu tun.

Ich hatte dann das Glück, im Rahmen eines Auslandsaufenthalts viele neue Leute kennenzulernen. Einige davon haben mir gezeigt, dass es auch gut Seiten an mir gibt. Ich habe gelernt, diese Seiten zu akzeptieren und nach einer Weile zu mögen (andere mochten sie ja auch). Und inzwischen bin ich froh um diese Seiten an mir. Wenn ich sie nicht hätte, wäre ich ja wie die anderen. 99% ist Einstellungssache. Es passiert nur in deinem Kopf.

Dann war da dieses Henne-Ei-Problem bezüglich sexueller Erfahrung und Entscheidung/Akzeptanz der eigenen Sexualität. Ohne die Erfahrung kann man letztendlich nicht sicher wissen, was man ist. Wenn man nicht weiß, was man ist (und nicht geoutet ist), ist es jedoch schwierig, diese Erfahrung zu machen. Insbesondere weil das ein gewisses Vertrauen erfordert (zumindest geht das mir so). Und dann ist da auch noch das Thema Gefühle, diese hatte ich z.B. lange Zeit nur für Frauen. Bei mir kamen zur richtigen Zeit die richtigen Menschen ins Leben, sodass ich diese Erfahrung machen konnte. Ich bin sicher, bei dir wird das auch so sein! Du musst nur offen dafür sein und Geduld haben (btw: Hat jemand eine Portion Geduld für mich übrig?). Details schreibe ich demnächst vielleicht mal in einem eigenen Beitrag.

Zitat regulator:
Auch wenn ich meine Orientierung noch nicht vollständig herausgefunden habe, überlege ich zumindest, meinen Eltern und engsten Bekannten davon zu erzählen. Einige machen sich nämlich Sorgen, warum es mir jetzt schon ein halbes Jahr lang so schlecht geht und dass mir die Therapie (zumindest so wie die anderen es wahrnehmen) noch nicht so recht weiterhilft.

Wenn du dir noch nicht sicher bist, was du bist, dann kommuniziere das so und oute dich nicht als bi. Viele verstehen den Unterschied zwischen bi, temporärer Verwirrung und Homosexualität ohnehin nicht und du müsstest das erst einmal erklären. Außerdem sehe ich keinen Grund, dir ein Label anzuheften, dass dir nachher vielleicht doch nicht passt. Die Frage ist, warum DU willst, dass andere es wissen. Weil diese sich Sorgen machen? Würde ich nicht tun. Weil du mit ihnen darüber sprechen möchtest? Schon eher. Bekannte, Kollegen, etc. geht das nichts an. Mit denen würdest du ja auch nicht drüber sprechen, auf welches Mädel du gerade stehts, oder (um mal im heteronormativen Bild zu bleiben)?
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