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Beitrag geschrieben von regulator am 27.06.2017, 22:35 Uhr
von  regulator
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Liebe Community,

ich bin neu hier in dieser Community. Mir ist bewusst, dass es zu dem, was ich hier thematisiere, schon Beiträge gibt, aber ich möchte meine Gedanken und Sorgen trotzdem gerne mit euch teilen. In diesem Sinne möchte ich einfach schon mal danke sagen für eure Reaktionen. Ich würde mich freuen, wenn ich von euren Erfahrungen etwas lernen könnte.

Nun also kurz etwas zu mir: Ich bin männlich, 23 Jahre alt und studiere Elektrotechnik. Da ich hier in einem Forum für Bisexualität etwas schreibe, vermutet ihr richtig, dass ich mich selbst als bisexuell bezeichnen würde. Und genau da liegt mein Problem: Ich bin jetzt in so einer Art Selbstfindungsphase und habe mir jetzt erstmalig eingestanden, dass ich tatsächlich bisexuell bin. Leider habe ich große Probleme, mich selbst damit anzunehmen. Im Prinzip wusste ich bereits im Jugendalter über meine sexuellen Interessen Bescheid, aber ich habe den homosexuellen Part stets vollständig unterdrückt. Da ich allerdings bereits seit meiner Jugend nicht zufrieden bin mit meinen eigenen sexuellen Interessen (eigentlich wäre ich lieber heterosexuell), war ich innerlich leider noch nie so frei, mich auf eine Beziehung einzulassen oder sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Ja, ihr habt richtig gelesen, ich bin mit 23 noch Jungfrau und hatte weder einen Freund noch eine Freundin.

Anfang diesen Jahres bin ich in eine depressive Phase abgerutscht. Zunächst hatte ich nicht verstanden, was mein Problem war. Ich vermutete Unistress und meine generell selbstkritische Art als die Ursachen dieser Depression. Glücklicherweise habe ich daraufhin eine Psychotherapie begonnen. Nach einigen Sitzungen ist mir klar geworden, dass mein eigentliches Problem die Erkenntnis ist, dass ich wohl bisexuell bin. Ich habe enorm große Probleme, dies zu akzeptieren. Das Problem ist, dass ich im Ingenieursumfeld mit Männern arbeite, die oft eine sehr stark männliche Ausstrahlung an den Tag legen und andere sexuelle Gesinnungen scharf kritisieren. Auch meine Eltern sind diesem Thema gegenüber kritisch eingestellt und mir wurde bereits großer Ärger angedroht, sollte ich mal mit einem Mann nach Hause kommen. Ok, mittlerweile lebe ich alleine und bin auch finanziell unabhängig genug, um ohne meine Eltern auszukommen, falls sie mich verstoßen sollten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Da es mir im Moment so unglaublich schwerfällt, zu mir selbst zu stehen, schaffe ich es nicht so recht, aus meiner Depression herauszukommen. Zum Glück habe ich ja meine Therapeutin, die mir weiterhilft, aber trotzdem geht es mir leider nach wie vor relativ schlecht. Um genauer zu sein, habe ich einen solchen Hass auf mich selbst, dass ich nicht endlich mal "normal" sein kann, dass ich oft mit dem Gedanken spiele, mein Leben zu beenden. Ich verfluche oft mein Leben und empfinde es als ungerecht, dass "ausgerechnet ich" so ein schweres Los habe. Fast alle Situationen, in denen ich im sozialen Gefüge derzeit eine gefestigte Stellung habe, würden im Falle eines Coming-Outs zusammenbrechen. Ich befürchte, dass ich aufgrund des nie endenden Spotts nicht mal mehr im Beruf eine Chance habe. Mir ist bewusst, dass diese Haltung und meine Gedanken nicht förderlich sind und dass es auch Menschen gibt, die damit anders umgehen können.

Es tut mir ja fast schon Leid, dass ich euch hier so hemmungslos vollheule. Ich weiß, dass in dieser Community eigentlich eher Menschen sind, die den Schritt der Akzeptanz schon hinter sich haben. Aber da es mir im Moment eben so schlecht damit geht und da ich eine so elementare Angst davor habe, dass mein gesamtes Umfeld sich gegen mich stellt (was in meiner Vorstellung ziemlich wahrscheinlich ist), wollte ich mich einfach gerne an euch wenden. Ganz allein bin ich übrigens nicht. Meinen zwei besten Freundinnen habe ich von meinen bisexuellen Interessen erzählt.

Da ich allerdings - wie oben beschrieben - noch nicht mal irgendwelche sexuellen Erfahrungen gesammelt habe, fällt es mir sehr schwer, überhaupt einzuschätzen, welches Geschlecht mir mehr zusagt. Ich vermute, dass ich tatsächlich bisexuell bin, aber ohne Erfahrungen fällt es mir schwer, das herauszufinden. Und da ich im Moment so unglaublich verklemmt bin und so heftig mit mir selbst ins Gericht gehe, bin ich leider nicht offen, überhaupt etwas auszuprobieren. Und ich weiß natürlich, dass diese Art zu denken auch sehr ungesund ist.

Daher möchte ich euch, liebe Community, einfach mal fragen, ob ihr diese Gefühle in der Form kennt und wie ihr damit umgeht / umgegangen seid. Ich weiß, dass ich damit sicher nicht alleine bin. Mich würde es einfach total interessieren, wie andere Menschen es geschafft haben, diesen Schritt der Akzeptanz zu wagen und wie die Reaktionen eurer Umwelt darauf waren. Ich würde mich sehr über Antworten freuen und sage einfach schon mal danke dafür, dass es diese Community und Menschen wie euch gibt, die ihre Ängste/Sorgen/Erfahrungen mit anderen teilen.

Gruß Jack
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