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Einfach mal so von der Seele runter...
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Einfach mal so von der Seele runter...
Beitrag geschrieben von Theresa am 25.01.2018, 18:47 Uhr
Letzte Änderung: 25.01.2018, 18:53 von Theresa.
von  Theresa
 
Fake- Check: Die FV LLL'ler können dies bisher nicht ausschließen.
 


Hallo zusammen

Ich habe eigentlich gar keine konkrete Frage, aber lese hier seit ein paar Tagen fleißig mit - Ich merke, wie gut mir das tut und habe Lust auf Austausch. Ich versuche mal, zusammenzufassen, was mich herführt:

Bis ich 23 war, habe ich mich zu 100% für hetero gehalten, dachte, der richtige Mann wäre halt noch nicht dabeigewesen. Leider grübel ich ganz gern und so kam es, dass ich mich irgendwann gefragt habe, warum ich noch nie wirklich verliebt war. Ich hab diese Frage tatsächlich gegoogelt (das muss ich mir dringend abgewöhnen!) und da wurde einmal die These in den Raum geworfen, dass das auch unterdrückte Homosexualität sein könnte. Das hat mich total umgehauen - ich habe angefangen, mir Frauen anzuschauen und zu analysieren, ob sich in mir was regt - und das tat es.

Das Ganze stürzte mich sozusagen von einem auf den anderen Tag in eine Krise,ich hatte das Gefühl, mich selbst nicht mehr zu kennen und mein ganzer Plan vom Leben schien mir plötzlich verloren zu gehen. Ich wollte nicht mehr nach draußen und traute mich nicht mal mehr, den Fernseher anzumachen, weil da ja alles voll mit Frauen ist. Zum Glück ging es mir damals so schlecht, dass es weder meine Familie noch meine Freunde übersehen konnten und ich deshalb mehreren Menschen davon erzählte. Sie waren alle super, aber irgendwie fühlte ich mich trotzdem einsam und unverstanden und hatte ein halbes Jahr lang nicht mehr so richtig Freude am Leben.

Dann kam ein ganz toller Mann in mein Leben. Ich kannte und mochte ihn schon lange, wir hatten aber vorher nie engeren Kontakt. Er hatte Interesse an mir, ich genoss das total, aber gleichzeitig setzte es mich unter Druck, weil ich mich ja für lesbisch hielt. Beim ersten Treffen zu zweit habe ich ihm das gleich erzählt,um ihm keine falschen Hoffnungen zu machen. Er hat toll reagiert und versprach, mich zu unterstützen - und ich konnte zum ersten Mal seit Langem wieder Freude empfinden.

Unser Kontakt wurde sehr schnell sehr intensiv und irgendwann kam dann auch noch das Körperliche dazu. Mit ihm hatte ich zum ersten Mal schönen Sex (vorher hatte ich eigentlich nur Schmerzen, wobei das auch danach nie ganz unproblematisch war) und oft wollte ich abends gar nicht heimgehen - dadurch war ich natürlich maximal verwirrt, weil es nicht zu meiner “lesbischen“ Identität passte.

Es folgten 4 Jahre “Halbbeziehung“ geprägt von vielen Auf und Abs, weil meine Gefühle extrem schwankten - mal wollte ich ihn heiraten und Stunden später konnte es dann sein, dass alle Gefühle wie weggeblasen waren und ich mich eingesperrt fühlte. Am Anfang war alles sehr intensiv, bis ich für mich beschloss, mich nicht mehr so sehr in die Gefühle reinzusteigern, um dann nicht mehr so tief zu fallen, wenn die Gefühle mal wieder weg sind. Ab dann “verbot“ ich uns auch den Sex, um ein Stück Distanz reinzubekommen. Das führte aber auch dazu, dass meine Verlustangst und Eifersucht immer größer wurden und ich emotional sehr abhängig wurde. Wir haben oft versucht, den Kontakt zu beenden,aber irgendwie haben wir nie lange durchgehalten.

Im letzten Jahr versuchte ich dann, ein bisschen loszukommen, swypte fröhlich Frauen bei Tinder und hatte fast ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, dass ich ihn dann “alleine“ lasse, wenn ich endlich mein Glück bei einer Frau gefunden habe. Er zog sich aber auch zurück, ging immer mehr feiern und hatte wegen seinem Studium kaum noch Zeit für mich. Ich war eifersüchtig und fing regelrecht an, ihn zu stalken. Meine Angst war begründet, er fand eine Freundin und ich brach den Kontakt ab (immer mal wieder, das letzte Mal am Dienstag).

Das verrückte ist, dass ich über die ganzen Jahre hinweg immer davon ausgegangen bin, lesbisch zu sein - das war für mich irgendwie die Erklärung für alles und ich schätze mal, das hat uns vieles erschwert.
Ich habe dann gemerkt, dass ich mit meiner Grübelei einfach nicht weiterkomme (nach 5 Jahren^^) und habe zum Glück direkt eine Therapie anfangen können. Und zack, plötzlich ist die Welt gar nicht mehr so schlimm. Nach 3 Sitzungen ist mein zwanghaftes Grübeln weniger geworden, ich habe aufgehört, mich zwischen den Schubladen “hetero“ und “homo“ entscheiden zu wollen und habe verstanden, dass ich das nur durch Erfahrungen rausfinden kann. Und irgendwie geht es mir damit gerade ganz gut

So, ich habe versucht, mich kurz zu fassen, aber für richtig kurz ist die Geschichte einfach zu komplex... Ich würde mich freuen, wenn jemand es bis hierher geschafft hat und Lust hat, seine Gedanken dazu mit mir zu teilen.

Liebe Grüße
Theresa
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